Technik lernen: Fallschirmtheorie verständlich erklärt

Das Sachgebiet Technik umfasst den Aufbau und die Funktion aller Komponenten eines Fallschirmsprungsystems: Flächenfallschirm, Reserveschirm, Container, Gurtzeug, Auslösesysteme und Öffnungsautomaten. Wer sein System wirklich versteht, erkennt Schäden frühzeitig, handelt im Notfall richtig und trifft beim Kauf und Zusammenstellen seiner Ausrüstung kluge Entscheidungen.

Aufbau des Flächenfallschirms: Zellen, Leinen und Kappe

Ein moderner Flächenfallschirm ist ein aufblasbarer Tragflügel. Ober- und Unterseite sind durch Zellwände miteinander verbunden und bilden einzelne Luftkammern, die sogenannten Zellen. Durch Öffnungen an der Vorderkante strömt Luft in die Zellen und hält die Kappe unter Staudruck in Form. Ohne diesen Staudruck wäre die Kappe schlaff wie ein Laken. Seitlich befinden sich Stabilisatoren, die ein unkontrolliertes Wegdrehen der Kappenseiten verhindern und das Geradeausflugverhalten verbessern.

Zu den Bauteilen des Flächenfallschirms gehören: Slider, Fangleinen, Stabilisatoren, Crossports (Verbindungsöffnungen zwischen den Zellen), Connectorlinks sowie die Bridle-Ansätze. Packsack, Hilfsschirm, Tragegurte und POD gehören dagegen zum Gurtzeug- und Containersystem, nicht zur Kappe selbst.

Die Kappe ist über Fangleinen mit den Tragegurten verbunden. Die Leinengruppen heißen A, B, C und D, von der Vorderkante nach hinten durchnummeriert. Die Steuerleinen führen zu den hinteren Innenecken (Bremsen) und ermöglichen Lenken und Flarieren. Verbunden werden die Leinenbündel über Connectorlinks (aus Metall oder als Softlinks aus textilem Material) mit den Tragegurten.

Merke: Nylon-Leinen sind bei Flächenfallschirmen unbrauchbar, weil ihre zu hohe Dehnung das Flugverhalten erheblich verschlechtert. Die Leinen müssen unter Last möglichst längensteif sein. Gebräuchliche Materialien sind daher Dacron, Spectra oder Vectran.

  • Zellen halten durch Staudruck (Luftöffnungen vorne) ihre Form.
  • Stabilisatoren verhindern seitliches Wegdrehen, verbessern Geradeausflug.
  • Leinengruppen A (vorne) bis D (hinten), Steuerleinen für Lenken und Flare.
  • Kappe-Bauteile: Slider, Fangleinen, Stabilisatoren, Crossports, Connectorlinks, Bridle-Ansatz.
  • Leinenmaterial: Dacron, Spectra, Vectran. Nicht Nylon (zu hohe Dehnung).

Slider, Leinentrimmung und Packhinweise

Der Slider ist eine Scheibe aus reißfestem Gewebe mit vier Ösen, durch die alle Leinen laufen. Beim Öffnen sitzt er zunächst oben an den Kappenecken und gleitet kontrolliert nach unten zu den Connectorlinks. Dieser Gleitvorgang bremst das Öffnen stark ab und verhindert den harten Öffnungsschlag. Ohne Slider würde die Kappe ruckartig in einem Bruchteil einer Sekunde aufgehen.

Sliderstopper schützen die empfindlichen Leinenansätze an den Connectorlinks davor, von den scharfen Sliderösen aufgerieben oder durchgeschnitten zu werden. Wenn Softlinks verwendet werden, sind keine weiteren Schutzvorrichtungen erforderlich, da Softlinks keine scharfen Kanten haben.

Beim Packen wird der Schirm vorgebremst: Die Steuerleinen werden in die Steuerschlaufen eingehängt, sodass die Kappe beim Öffnen mit wenig Vorwärtsfahrt und ruhig entfaltet wird. Die Zellenöffnungen können beim Packen vorne eingerollt werden. Je weiter der Slider beim Packen zur Nase hin positioniert wird, desto mehr verzögert er die Öffnung. Alle Fangleinenbündel müssen gleichmäßig stramm eingeschlauft sein.

Die Leinentrimmung verändert sich mit jedem Sprung minimal: Rand- und Steuerleinen schrumpfen, Mittelleinen dehnen sich. Das verändert Öffnungs-, Flug- und Flareverhalten, verschiebt den Stallpunkt und kann am Boden nachgemessen werden. Stellt sich ein merklich verändertes Verhalten ein, sollte ein Fachmann die Trimmung prüfen.

  • Slider verzögert die Öffnung durch kontrollierten Abstieg von oben nach unten.
  • Sliderstopper schützen Leinenansätze vor Sliderösen; bei Softlinks nicht nötig.
  • Vorgebremst packen: ruhigerer Öffnungsverlauf, weniger Vorwärtsfahrt.
  • Leinentrimmung verändert sich minimal mit jedem Sprung: Randleinen schrumpfen, Mittelleinen dehnen sich.
  • Veränderter Stallpunkt und schlechteres Flugverhalten sind Zeichen von Trimm-Drift.

Connectorlinks, freier Leinenverlauf und Packfläche

Die Connectorlinks verbinden die einzelnen Leinenbündel fest mit den Tragegurten. Es gibt Metall-Connectorlinks und die moderneren Softlinks aus textilem Material. Softlinks sind leichter und schonender für die Leinen, aber gleich belastbar. Vor dem Packen müssen alle Leinen frei verlaufen. Verhedderte oder unter Spannung stehende Leinen können das Öffnungsverhalten gefährlich beeinflussen.

Sind die Leinen verworren, beginnt man mit den Steuerleinen von der Kappe und bringt die Verwirrung bis zum Gurtzeug hin. Durch Drehen des Gurtzeuges lässt sich die Verknotung dann lösen.

Nach dem Sprung muss die Ausrüstung stets auf einer sauberen Packfläche abgelegt werden. Sand, Schmutz und Steine können in Kabelführungen geraten, und Metallschnallen können scharfe Grate bekommen und das gesamte System beschädigen. Auch das AAD kann durch Schmutz Schaden nehmen, und der Schirm allgemein verdient schonende Behandlung.

  • Softlinks: leichter als Metallconnectorlinks, gleich belastbar.
  • Freier Leinenverlauf vor dem Packen ist Pflicht.
  • Verwirrte Leinen: mit Steuerleinen von der Kappe beginnen, Gurtzeug drehen.
  • Saubere Packfläche: schützt vor Kabelschäden, scharfen Graten, AAD-Schäden.

Gurtzeug und Container: Aufbau und Bauteile

Das Gurtzeug verbindet den Springer mit seinen Fallschirmen. Es besteht aus Bein-, Brust- und Schultergurten, Haupt- und Reservetragegurten, Haupt- und Reservecontainer, dem Packsack des Hauptschirms (POD), Trennkissen, Reservegriff, Hilfsschirmverbindungsleinen (Bridle) sowie den Steuerschlaufen. Alle Bedienungshandbücher, also für Haupt- und Reservefallschirm, Gurtzeug und AAD, liegen beim jeweiligen Hersteller und im Technischen Betriebshandbuch (TBH).

Nylongurte sind sehr reißfest, aber nicht abriebfest und nicht temperaturfest. Nach einer Asphaltlandung, bei der Gurte über den Boden geschleift wurden, müssen Beingurte, Brustgurt und die Polsterbereiche sorgfältig geprüft werden. Auch Container und Reserve können bei so einer Landung beschädigt sein.

Für den POD (Packsack des Hauptschirms) gilt: nur geeignete Gummis oder Tubes in der richtigen Größe verwenden. Tubes dürfen nicht doppelt um die Leinen gelegt werden. Sie müssen die Leinen mit ausreichender Festigkeit halten, damit beim Exit nichts herausrutscht. Eine beliebige Kombination ist nicht erlaubt.

Klettverschlüsse halten Containerklappen und Steuerschlaufen. Die weiche Komponente (Flausch) soll die Hakenkomponente vollständig abdecken, damit keine Beschädigungen an Gurten oder Leinenmaterial entstehen. Verschleiß erkennst du an langen, engen Fransen der Flauschseite. Zu alter Klett wird zur Gefahrenquelle.

  • Gurtzeug-Bauteile: Gurte, Container, POD, Trennkissen, Reservegriff, Bridle, Steuerschlaufen.
  • Bedienungshandbücher: für Hauptschirm, Reserveschirm, Gurtzeug und AAD.
  • Nylongurte: reißfest, aber nicht abriebfest (nach Asphaltlandung prüfen).
  • Tubes nicht doppelt legen, nur passende Größen verwenden.
  • Klett: lange, enge Fransen zeigen Verschleiß an.

Verschlussloop: Funktion, Verschleiß und Erneuerung

Der Verschlussloop hält den Container geschlossen und ist eines der wichtigsten Kleinbauteile des gesamten Systems. Er muss den Pin sicher in Position halten. Ein ausgefranzter oder angescheuerter Loop kann beim Exit oder im Freifall reißen und so den Container vorzeitig öffnen. Das gefährdet den Springer und andere in der Nähe. Direkte Reserveaktivierung ist durch den Hauptschirmloop allein nicht möglich.

Ebenso gefährlich ist ein zu langer Loop: Er reduziert den Packdruck, der Pin kann aus seiner Position rutschen, und eine vorzeitige Containeröffnung ist möglich. Ein zu kleiner Schirm in einem zu großen Container hat denselben Effekt: Der fehlende Packdruck hält den Pin nicht sicher.

Beim Erneuern eines Loops gelten klare Vorschriften: Eine Unterlegscheibe muss verwendet werden, damit der Loop nicht durchrutscht. Der neue Loop muss über die gesamte Länge gespleißt sein, und die gespleißte Schlaufe selbst darf nicht größer als 2 cm sein. Ein Vernähen des Loops ist nicht vorgeschrieben. Bei Verschleiß: sofort erneuern lassen, nie selbst reparieren.

  • Ausgefranster oder beschädigter Loop: vorzeitige Containeröffnung möglich, sofort ersetzen.
  • Zu langer Loop: kein Packdruck, Pin rutscht heraus, ungewollte Öffnung möglich.
  • Kleiner Schirm in zu großem Container: fehlender Packdruck, gleiches Risiko.
  • Unterlegscheibe verwenden, gespleißte Schlaufe max. 2 cm.

Nähte, Reinigung und Ausrüstungspflege

Die Nähte am Gurtzeug erfordern regelmäßige Sichtkontrolle. Bei Beschädigungen ist sofort ein Fallschirmwart oder Fallschirmtechniker zu konsultieren. Kleine Nähte selbst instand zu halten ist nicht erlaubt. Eine Stückprüfung ersetzt die eigene Kontrolle nicht.

Zu einer ungewollten Schirmöffnung können führen: ein gerissener Loop, ein aus der BOC-Tasche gerutschter Throw-Out-Hilfsschirm sowie ein nicht korrekt in der Halterung sitzender Reservegriff. Ein gelockerter Brustgurt dagegen öffnet den Schirm nicht.

Für die Reinigung gilt: Kappen und Gurtzeuge mit sauberem Süßwasser oder sanften Reinigungsmitteln wie Gallseife reinigen. Nach einer Salzwasserladung ausgiebig mit Süßwasser spülen und an der Luft trocknen. Kein Waschbenzin verwenden. Salzwasser zur Reinigung und grobes Bürsten sind ebenfalls falsch.

  • Nähte: regelmäßige Sichtkontrolle, bei Schäden Fachmann, nie selbst reparieren.
  • Ungewollte Öffnung: gerissener Loop, herausgerutschter Hilfsschirm, falscher Reservegriff.
  • Reinigung: Süßwasser oder Gallseife, kein Waschbenzin, kein Salzwasser.
  • Nach Salzwasser: Süßwasser spülen, Lufttrocknung.

Reserveschirm und Freebag-System

Der Reservefallschirm ist das Rettungssystem und darf nur von einem Fallschirmwart oder Fallschirmtechniker gepackt werden. Er ist nach dem Packen mit einem roten Plombenfaden versiegelt. Daran erkennt jeder sofort, ob der Schirm seit der letzten Packung geöffnet wurde.

Moderne Reserven sind Flächenreserven und werden im sogenannten Freebag aufbewahrt. Der Freebag ist ein eigener Packsack, der nach der Auslösung durch den Federhilfsschirm herausgezogen wird und dann gemeinsam mit dem Federhilfsschirm wegfliegt. Es gibt keine herkömmlichen Packgummis am Freebag, und die Bridle am Freebag ist lang und breit. Die Reservekappe selbst ist nicht mit dem Freebag verbunden. Diese Konstruktion schließt eine Hufeisenstörung (Horseshoe Malfunction) bei der Reserve aus, weil der Freebag wegfliegt, ohne an der Kappe zu hängen.

Am geöffneten Reserveschirm muss der Springer ein anderes Flug- und Flareverhalten erwarten als beim gewohnten Hauptschirm. Sofort nach dem Öffnen eine Brems- und Steuerübung durchführen, um das Handling zu erspüren. Man fliegt nicht dem abgehängten Hauptschirm hinterher.

Nach dem Abtrennen des Hauptschirms und Ziehen der Reserve sind folgende Teile nicht mehr am Springer: Hauptfallschirm, Reservefreebag mit Federhilfsschirm, Trennkissen und Reservegriff. Die RSL bleibt am Gurtzeug.

  • Reserve darf nur Fallschirmwart oder Fallschirmtechniker packen.
  • Plombenfaden der Reserve: rot.
  • Freebag: fliegt weg, keine Verbindung zur Reservekappe, keine Packgummis, lange breite Bridle.
  • Kein Horseshoe-Risiko bei der Reserve durch Freebag-Konstruktion.
  • Am Reserveschirm sofort Brems- und Steuerübung durchführen.
  • Nach Abtrennen verloren: Hauptschirm, Freebag, Federhilfsschirm, Trennkissen, Reservegriff. RSL bleibt.

Tägliche Checks und Ausrüstungskontrollen

Vor jedem Sprung sollte eine persönliche Kontrolle stattfinden: freier Verlauf aller Kabel und Pins, Hilfsschirm in Position und Bridle korrekt verlegt, AAD eingeschaltet und im richtigen Modus, Bein- und Brustgurte korrekt durchgeschlauft und geschlossen, Steuerschlaufen korrekt eingehängt. Das ist kein Luxus, sondern Voraussetzung für jeden sicheren Sprung.

Für Freeflyer, Freestyler und Skysurfer gilt zusätzlich: den festen Sitz des Handdeploys prüfen (damit es sich nicht im Freifall löst), das veränderte Flugverhalten bedenken, den Loop straff halten und mindestens ein akustisches Höhenwarngerät mitführen. Alle diese Punkte sind kumulativ wichtig.

Für alle Materialien und Verbindungen gilt: regelmäßig prüfen, auf Verschleiß achten und bei Zweifeln sofort einen Fachmann hinzuziehen. Das AAD muss stets funktionsbereit sein. Die Ausrüstung ist ein Gesamtsystem, jedes Bauteil hängt mit dem nächsten zusammen.

  • Täglicher Check: Kabel/Pins, Bridle, AAD, Gurte, Steuerschlaufen.
  • Freeflyer zusätzlich: Handdeploy-Sitz, verändertes Flugverhalten, straffer Loop, Höhenwarngerät.

Dreiringsystem: Kraftuntersetzung und Wartung

Das Dreiringsystem verbindet die Haupttragegurte mit der Kappe und ermöglicht das Abtrennen des Hauptschirms durch Kraftuntersetzung. Drei ineinandergreifende Ringe (groß, mittel, klein) erlauben es, den Loop unter voller Last mit sehr wenig Kraft zu lösen. Entscheidend: Der Loop muss durch den kleinsten der drei Ringe geführt werden, damit die Kraftuntersetzung funktioniert. Ist er durch einen größeren Ring geführt, kann er unter Last nicht gelöst werden.

Es gibt große und kleine Dreiringsysteme. Das große System öffnet leichter unter Last. Große Dreiringe sind nicht ausschließlich für Tandem-Springer vorgesehen. Bei beiden Systemen muss der Loop dank Kraftuntersetzung nur geringem Zug standhalten.

Beschädigungen am Dreiringsystem erkennst du an ausgefranstem Material. Schmale Tragegurte sind anfälliger, und die Öse ist eine Art Sollbruchstelle, die sich bei extremen Belastungen verformt.

Das Dreiringsystem muss regelmäßig gewalkt werden, damit es leichtgängig bleibt. Bei jeder Kontrolle prüfen: Loop auf Beschädigungen, Kabelenden des Trennkabels auf Brüche und Unebenheiten, den RSL-Schäkel auf richtigen Sitz und das korrekte Längenverhältnis der Trennkabel. Alle vier Punkte sind sicherheitsrelevant.

  • Loop durch den kleinsten Ring, sonst keine Kraftuntersetzung.
  • Großes Dreiringsystem öffnet leichter unter Last als kleines.
  • Regelmäßig walken für Leichtgängigkeit.
  • Prüfen: Loop, Kabelenden, RSL-Schäkel, Längenverhältnis der Trennkabel.

Trennkissen, Reservegriff und Reservekabel

Trennkissen (links) und Reservegriff (rechts) sind per Klett fixiert und müssen vor dem Ziehen abgeschält werden. Die Reihenfolge beim Notverfahren ist klar: rechts vor links, also zuerst den Reservegriff, dann das Trennkissen. Trennkissen muss vollständig und zügig herausgezogen werden, damit die RSL korrekt auslöst.

Das Reservekabel braucht eine Überlänge von ca. 5 cm. Wenn sich das Kabelgehäuse dehnt, verhindert diese Überlänge eine ungewollte Auslösung. Fehlt diese Überlänge, kann es bei der Dehnung des Kabelgehäuses zur ungewollten Reserveaktivierung kommen, und beim Ein- und Ausstieg aus dem Flugzeug besteht erhöhtes Risiko. Das Kabel muss bis zum Pin frei beweglich sein und auf der Griffseite einen Anschlag haben. Der Reservegriff muss aus seiner Tasche lösbar sein.

  • Reihenfolge beim Notverfahren: rechts vor links (Reservegriff vor Trennkissen).
  • Reservekabel: ca. 5 cm Überlänge, frei beweglich bis Pin, Anschlag auf Griffseite.
  • Fehlende Überlänge: ungewollte Auslösung bei Kabelgehäuse-Dehnung möglich.

RSL und MARD-Systeme (Skyhook, Rax)

Die RSL (Reserve Static Line) ist eine Leine, die nach dem Abtrennen des Hauptschirms automatisch den Reservegriff zieht. Erst wenn die Haupttragegurte tatsächlich vom Dreiringsystem gelöst sind, zieht die RSL die Reserve auf. So ist sichergestellt, dass Haupt- und Reserveschirm nicht gleichzeitig geöffnet sind.

Die RSL hat Risiken. Bei schnell drehenden Öffnungsstörungen in instabiler Lage kann die Reserve in ungünstiger Haltung geöffnet werden. Bei einer Hufeisenstörung (der Hauptschirm ist am Springer verhängt) kann die RSL die Situation verschlimmern. Außerdem ist die RSL meist nur an einem Tragegurt befestigt: Dadurch kann die Reserve aktiviert werden, obwohl der Hauptschirm noch nicht vollständig weg ist. Das Trennkissen immer vollständig und zügig ziehen, damit die RSL korrekt anspricht. Die RSL kann auch falsch eingehängt sein.

MARD-Systeme (Main Assisted Reserve Deployment) wie Skyhook oder Rax gehen einen Schritt weiter. Eine Verbindungsleine zwischen RSL und der Bridle des Reservefreebags bewirkt, dass beim Abtrennen der wegfliegende Hauptschirm direkt den Freebag herauszieht. Die Reserve öffnet damit deutlich schneller als bei einer konventionellen RSL.

MARD hat Einschränkungen: Es funktioniert nicht, wenn die RSL ausgehängt ist. Bei Kappenkollisionen kann MARD ein Problem darstellen. Bei einer total versagenden Störung ohne Hauptschirmbewegung muss manuell über den Reservegriff gehandelt werden. Die Funktionstüchtigkeit ist von außen nicht zu 100 % kontrollierbar.

  • RSL: automatische Reserveauslösung nach dem tatsächlichen Lösen der Haupttragegurte.
  • RSL-Risiken: instabile Lage bei Drehen, Hufeisenstörung, falsches Einhängen.
  • Trennkissen: immer vollständig und zügig ziehen.
  • MARD (Skyhook/Rax): Reserve wird durch wegfliegenden Hauptschirm herausgezogen.
  • MARD nur aktiv, wenn RSL eingehängt ist; versagt bei Kappenkollision und Totalversagen.

Manuelle Auslösung: Throw-Out, Pull-Out und Aufziehgriff

Es gibt drei Arten der manuellen Schirmauslösung: Throw-Out, Pull-Out und den Aufziehgriff (Aufziehleine). Die Staticline ist dagegen eine automatische Einrichtung, die in der Schulung verwendet wird, und gilt nicht als manuelle Auslösung.

Throw-Out-System: Der Hilfsschirm (Pilot Chute) sitzt in einer Tasche am unteren Rücken, dem sogenannten BOC (Bottom Of Container). Der Springer greift den Griff am Scheitel des Hilfsschirms und wirft ihn in den Luftstrom. Kennzeichen: langer Bridle, gebogener Pin, Hilfsschirm außen am Container.

Pull-Out-System: Das Zugkissen sitzt im Container. Der Springer zieht das Kissen heraus, zunächst kommt der Hilfsschirm, dann der Pin. Kennzeichen: kurze Bridle, gerader Pin, Kissen im Container. Das Kissen muss immer in gutem Zustand sein, damit es sich nicht im Freifall von selbst löst. Verliert man es, ist es weg.

Hilfsschirm mit Kill-Leine: Diese Leine kollabiert den Hilfsschirm nach der Öffnung. Vor jedem Packen muss der Hilfsschirm ausgezogen und per Wurftest auf korrekte Funktion überprüft werden. Er ist nicht automatisch immer sprungfertig. Die Kill-Leine wird nicht im Sichtfenster fixiert.

Hilfsschirm mit Bungee-System: Das Gummi hält den Hilfsschirm vorgespannt. Der Hilfsschirm muss aus Nullgewebe bestehen. Das Gummi darf nicht ungeprüft gekürzt werden. Bungee-Hilfsschirme sind nicht für das Bungee-Springen gedacht.

  • Manuelle Auslösung: Throw-Out, Pull-Out, Aufziehgriff.
  • Staticline: automatisch, nicht manuell.
  • Throw-Out: BOC, langer Bridle, gebogener Pin, Hilfsschirm außen.
  • Pull-Out: Kissen im Container, kurzer Bridle, gerader Pin.
  • Kill-Leine: vor Packen ausziehen und Wurftest, nicht automatisch OK.
  • Bungee-Hilfsschirm: aus Nullgewebe, Gummi nicht ungeprüft kürzen.

Kill-Leine, Pull-Out-Kissen und Spezialausrüstung

Was passiert, wenn die Kill-Leine gerissen ist? Der Schirm verliert nicht sofort seine Lufttüchtigkeit, und eine korrekte Öffnung ist weiterhin möglich. Allerdings kann der offene Hilfsschirm je nach Schirmgröße die Flugeigenschaften beeinträchtigen. Man darf damit springen, sollte es aber beheben lassen.

Das Pull-Out-Kissen muss in gutem Zustand sein. Wenn es sich im Freifall löst, ist es verloren. Es kontrolliert nicht die Öffnungsgeschwindigkeit und zieht nicht die Trennkabel, sondern zieht den Hilfsschirm heraus.

Wer einen Wingsuit springt, muss auf folgendes achten: Das andere Flugverhalten im Freifall und beim Ziehen erfordert eine genaue Einweisung. Alle Griffe müssen erreichbar sein, Trennkissen und Reservegriff dürfen nicht verdeckt sein. Die geringe Sinkgeschwindigkeit beim Wingsuit kann dazu führen, dass ein normales AAD nicht auslöst. Und die große Horizontalgeschwindigkeit gefährdet andere.

Bei einer anderen Springerkombi muss man sicherstellen, dass Trennkissen und Reservegriff zugänglich sind, das Flugverhalten im Freifall und beim Ziehen veränderlich ist, und Kombi- und Trennkissenfarbe nicht identisch sind (zur sicheren Unterscheidung).

  • Gerissene Kill-Leine: Sprung möglich, aber Hilfsschirm kann Flugeigenschaften beeinflussen.
  • Pull-Out-Kissen: muss in gutem Zustand sein, zieht den Hilfsschirm (nicht Trennkabel).
  • Wingsuit: Einweisung nötig, alle Griffe zugänglich, geeignetes AAD wegen geringer Sinkgeschwindigkeit.
  • Kombi: Griffe zugänglich, Farbe Trennkissen nicht identisch mit Kombi.

AAD: Funktion, Auslösung und Varianten

Ein AAD (Automatic Activation Device) misst kontinuierlich Höhe und Sinkgeschwindigkeit. Werden definierte Grenzwerte unterschritten, schneidet das AAD den Reserveloop durch und löst die Reserve aus. Das AAD trennt nicht den Hauptschirm. Es öffnet nur die Reserve. Antworten, die behaupten, das AAD trenne die Hauptkappe, sind falsch.

Das bekannteste AAD ist das Cypres (Cybernetic Parachute Release System). Das Student-Cypres löst großzügiger aus: Bei Freifallgeschwindigkeit unterhalb von 300 m GND, auch bei Fahnenöffnungen (teilweisen Fehlöffnungen), im Sinkflug mit dem Flugzeug unter 300 m GND bei Freifallgeschwindigkeit und bei schnellen Drehungen unterhalb 300 m. Das Expert-Cypres löst bei ca. 225 m GND bei Freifallgeschwindigkeit aus, also auch bei schnellen Drehungen mit hohem Wingloading unter 225 m.

Das Cypres muss am Boden eingeschaltet werden. Im Steigflug darf es nicht eingeschaltet werden. Es kalibriert sich beim Einschalten und muss den Bodendruck als Referenz nehmen. Einen Knopf für jeden Höhenmeter zu drücken oder die Einstellung eines Mitspringers zu übernehmen funktioniert nicht.

Das FXC 12000 ist bei schnell wechselnden Druckschwankungen im Freifall (Freefly) anfällig für Fehlauslösungen. Es ist deshalb für Freefly nicht geeignet. Der Akkuzustand spielt für dieses spezifische Problem keine Rolle.

  • AAD: schneidet Reserveloop durch, trennt nicht den Hauptschirm.
  • Cypres nur am Boden einschalten, nicht im Steigflug.
  • Student-Cypres: Auslösung unter 300 m GND bei Freifallgeschwindigkeit, Fahnenöffnung, schnellen Drehungen.
  • Expert-Cypres: Auslösung bei ca. 225 m GND bei Freifallgeschwindigkeit.
  • FXC 12000: nicht für Freefly geeignet (Druckschwankungen).

AAD-Einstellungen, Sondersituationen und Cypres 2

Wenn Start- und Landeplatz unterschiedliche Höhen haben, müssen Höhenmesser und AAD gemäß der jeweiligen Bedienungsanleitung angepasst werden. Als Faustregel bei gleichen Luftdruckverhältnissen gilt: Liegt der Landeplatz 100 m höher als der Startplatz, Cypres 100 m höher einstellen (damit es relativ zum Boden korrekt auslöst) und Höhenmesser 100 m tiefer einstellen.

Besondere Situationen, die beim Cypres besondere Aufmerksamkeit verlangen: Nachtsprung (wenn es morgens eingeschaltet wurde), Gewitter (Druckschwankungen), Höhenunterschied zwischen Start- und Landeplatz sowie Wasserlandung mit eingetauchtem Container. Alle vier Umstände können die Funktion beeinflussen.

Cypres 2 bietet eine permanente Höhenverstellung in 9 Stufen zu je 30 m. Eine höhere Auslösehöhe kann sinnvoll sein, weil neuere Gurtzeugebauweisen längere Öffnungsstrecken haben. Eine höhere Einstellung erhöht aber die Gefahr einer Zweikappensituation und erfordert daher, dass auch die Hauptschirm-Öffnungshöhe sinnvoll angepasst wird.

Bei Höhensprüngen ab 4.000 m MSL muss eine Sauerstoffversorgung für die Springer verfügbar sein. Die Freifallzeit ist deutlich länger und die Temperatur erheblich niedriger. Ein vorbereitendes Briefing ist Pflicht.

  • Landeplatz 100 m höher: Cypres 100 m höher, Höhenmesser 100 m tiefer.
  • Sondersituationen Cypres: Nachtsprung, Gewitter, Höhenunterschied, Wasserlandung.
  • Cypres 2: 9 Stufen x 30 m Höhenverstellung.
  • Höhere Auslösehöhe erhöht Zweikappengefahr: Hauptöffnungshöhe anpassen.
  • Höhensprung ab 4.000 m MSL: Sauerstoff, Briefing, längere Freifallzeit.

Höhenmesser und Höhenwarner: Pflicht, Grenzen, Empfehlungen

Jeder Springer muss einen visuellen Höhenmesser tragen. Ein akustisches Höhenwarngerät ersetzt ihn nicht. Auch wenn man ein Akustiksystem hat, bleibt der visuelle Höhenmesser Pflicht. Das gilt unabhängig von Erfahrung, Disziplin oder Art des Akustikgeräts.

Akustische Höhenwarner können leere Batterien haben, überhört werden, falsch eingestellt oder schlicht vergessen werden. Sie sind Ergänzung, kein Ersatz. Für Headdown, Freefly und AE-Disziplinen sind sie besonders empfehlenswert, weil der visuelle Höhenmesser in diesen Lagen oft schwer abzulesen ist. Beim Formationsspringen braucht nicht die Gruppe einen Höhenmesser, sondern jeder Springer einen eigenen. Acht Springer brauchen acht Höhenmesser.

Mechanische Höhenmesser können bei Absprunghöhen von 4.000 m GND konstruktionsbedingt um einige hundert Meter von der tatsächlichen Höhe abweichen. Das ist normal und kein Defekt. Man lässt den Höhenmesser wie er ist und berücksichtigt die mögliche Differenz.

Wenn Start- und Landeplatz unterschiedliche Höhen haben, müssen Höhenmesser und AAD angepasst werden. Auch Flare-Eigenschaften können variieren, das akustische Warngerät muss angepasst werden, und der Bodenwind kann unterschiedlich sein.

  • Visueller Höhenmesser: Pflicht, auch bei akustischem Warngerät.
  • Akustisches Gerät: Ergänzung, kein Ersatz.
  • Risiken Akustikgerät: leere Batterie, Überhören, falsche Einstellung, Vergessen.
  • Besonders empfohlen für Headdown, Freefly und AE-Disziplinen.
  • Jeder Springer in der Gruppe braucht seinen eigenen Höhenmesser.
  • Mechanische Differenz bei 4.000 m: normal, Höhenmesser belassen.
  • Höhenunterschied Start/Land: Höhenmesser, AAD, akustisches Gerät und Bodenwind beachten.

Materialien, Bekleidung, Helm und Sondergeräte

Im Fallschirmsport kommen verschiedene Materialien zum Einsatz. Für Kappenstoffe werden ZP (Zero-Porosity, nahezu luftundurchlässig) und F111 (leicht luftdurchlässig) verwendet. Gurtzeugmaterial ist meist Cordura oder Parapack. Leinenmaterial sind Dacron, Spectra oder Vectran. Ösen gibt es in den Größen 0, 2, 4 und 8. All diese Materialien finden im Fallschirmsport Verwendung.

Beim Helm ist auf folgendes zu achten: keine gefährlich vorstehenden Kanten und Ecken, ausreichende Polsterung als Schutz bei Kollisionen, Kinnriemen für festen Sitz und Möglichkeit zur Anbringung eines akustischen Höhenwarners. Ein Videohelm sollte über ein Notabwurfsystem verfügen, damit er im Notfall nicht die Griffe verdeckt.

Schuhe und Handschuhe sollen das Griffgefühl für die Griffe des Sprungsystems erhalten, gut sitzen und Hände bzw. Füße schützen. Fleece an Handflächen und Grobprofilsohlen sind nicht zweckmäßig für den Fallschirmsport.

Rundkappenfallschirme haben keine Eigengeschwindigkeit wie Flächenkappen, sind weniger steuerbar, haben keinen Slider und keinen Freebag und lassen sich nicht wie eine Flächenkappe flarieren. In bestimmten Schulungs- und Sonderkontexten werden sie noch eingesetzt.

Frontriserschlaufen (Schlaufen an den vorderen Haupttragegurten) gehören nicht zum Schulungsgurtzeug. Schüler benötigen sie noch nicht, und sie könnten zu Fehlanwendungen führen.

  • Kappenstoffe: ZP (nahezu luftundurchlässig), F111 (leicht luftdurchlässig).
  • Gurtzeug: Cordura, Parapack. Leinen: Dacron, Spectra, Vectran. Ösen: 0, 2, 4, 8.
  • Helm: keine scharfen Kanten, Polsterung, Kinnriemen, Akustikhalterung, Notabwurf beim Videohelm.
  • Schuhe/Handschuhe: Griffgefühl erhalten, gut sitzen, schützen.
  • Rundkappe: kein Slider, kein Freebag, kein Flaren, wenig steuerbar.
  • Schulungsgurtzeug: keine Frontriserschlaufen.

Befugnisse: Wer darf was?

Die Befugnisse im Fallschirmsport sind klar geregelt. Ein lizenzierter Springer darf seinen eigenen Hauptfallschirm packen und auf allen Sprungplätzen springen. Er darf keine Reparaturen durchführen und keine Reserve für sich oder andere packen.

Ein Sprunglehrer darf zusätzlich Schulungsschirme packen, die Gurtzeuggröße bei Schülern verstellen und Schüler vorm Einsteigen checken. Er darf aber keine Schülerreserven packen.

Ein Fallschirmwart darf Haupt- und Reserveschirme für Dritte packen, unter Beachtung der Herstellerangaben Originalteile tauschen. Leinenerneuerung gehört nicht zu den Standardbefugnissen eines Fallschirmwarts.

Ein Fallschirmtechniker darf alles, was ein Fallschirmwart darf, plus: kleine und große Reparaturen durchführen, Stückprüfungen bescheinigen, Nachprüfungen vornehmen, Kompatibilität in Übereinstimmung mit Herstellervorgaben feststellen und ein neues System erstmalig zusammenbauen (Assembling). Fallschirmtechniker dürfen auch Fallschirmwarte ausbilden.

Wer ein neues Sprungsystem erstmalig zusammenbauen darf: der Hersteller und der Fallschirmtechniker, gemäß Herstelleranweisungen. Fallschirmwarte allein sind dazu nicht berechtigt.

  • Lizenzierter Springer: eigenen Hauptschirm packen, auf allen Plätzen springen.
  • Sprunglehrer: Schulungsschirme, Gurtzeuggröße verstellen, Schüler checken (keine Schülerreserven).
  • Fallschirmwart: Reserve und Hauptschirm für Dritte packen, Originalteile tauschen.
  • Fallschirmtechniker: alles plus Reparaturen, Stückprüfungen, Nachprüfungen, Kompatibilität, Assembling.
  • Assembling: Hersteller oder Fallschirmtechniker.

Prüfungen, Zulassungen und Packintervalle

Musterprüfung: Nur der Reserveschirm und das Gurtzeug benötigen eine Musterprüfung. Hauptschirm und AAD benötigen keine Musterprüfung. Die mustergeprüften Baugruppen müssen im Musterprüfverzeichnis (Nummer 64...) stehen und stückgeprüft sowie nachgeprüft sein.

Stückprüfungen: Bei ausländischen Produkten darf sie nur ein Fallschirmtechniker bescheinigen. Bei inländischen Produkten kann auch der Hersteller die Stückprüfung bescheinigen.

Nachprüfungen dürfen Fallschirmwarte und Fallschirmtechniker durchführen, gemäß den Herstellerangaben. Ausbildungsleiter, Sprunglehrer und TÜV dürfen keine Nachprüfungen abnehmen.

Packintervall Reserve: Das Reservepack- und Nachprüfintervall für Gurtzeug richtet sich nach den Herstellerangaben, in Deutschland in der Regel ca. 1 Jahr. Hauptschirm: Bei fachgerechter Lagerung nach ca. 2 Monaten neu packen, um zu lüften und Packgummis zu prüfen. 2 Wochen sind zu kurz, 6 Monate zu lang.

Die letzte Prüfung ist im Lufttüchtigkeitsnachweis dokumentiert. Den alten Lufttüchtigkeitsnachweis immer aufbewahren, um einen lückenlosen Nachweis über die Geschichte der Baugruppe zu gewährleisten. Das ist der Nachweis für Sicherheitsmitteilungen und technische Mitteilungen.

  • Musterprüfung: nur für Reserveschirm und Gurtzeug (nicht Hauptschirm, nicht AAD).
  • Stückprüfung ausländische Produkte: nur Fallschirmtechniker; inländisch: auch Hersteller.
  • Nachprüfung: Fallschirmwart oder Fallschirmtechniker.
  • Nachprüfintervall: gemäß Herstellerangaben, meist 1 Jahr.
  • Hauptschirm bei Lagerung: nach ca. 2 Monaten neu packen.
  • Alten Lufttüchtigkeitsnachweis immer aufbewahren.

Halterverantwortung und Sicherheitsmitteilungen

Zwischen den Nachprüfungen ist der Halter selbst für die Lufttüchtigkeit des Systems verantwortlich. Weder der Fallschirmtechniker noch der Hersteller noch das technische Personal tragen diese Verantwortung. Der Schüler und andere Lizenzspringer tragen sie ebenfalls nicht.

Sicherheitsmitteilungen und technische Mitteilungen der Hersteller sind nicht optional. Der Halter muss sie sich aktiv beschaffen. Das nennt sich Holpflicht: Man bekommt sie nicht automatisch zugeschickt. Quellen sind Hersteller, beauftragter Verband und das technische Personal. LBA und EASA sind nicht die primären Anlaufstellen für Fallschirm-Sicherheitsmitteilungen.

Erfüllt ein Sprungsystem die Lufttüchtigkeitskriterien nicht mehr, hat der Halter die Pflicht, das System nicht mehr zu springen. Eine gesetzliche Pflicht zur Meldung an Hersteller, LBA oder Verband besteht nicht. Das System muss einfach stillgelegt werden, bis die nötige Prüfung oder Reparatur erfolgt ist.

Systemkompatibilität: Die vier Baugruppen (Hauptschirm, Reserveschirm, Gurtzeug, AAD) dürfen nicht beliebig kombiniert werden. Die Hersteller müssen der Kompatibilität jeder Kombination ausdrücklich zustimmen. Nur ein Fallschirmtechniker darf die Kompatibilität in Übereinstimmung mit den Herstellervorgaben feststellen. Größen müssen passen, AADs sind nicht beliebig in jedes Gurtzeug einbaubar.

  • Halter ist verantwortlich für Lufttüchtigkeit zwischen den Prüfungen.
  • Sicherheitsmitteilungen: Holpflicht, aktiv beim Hersteller und beauftragtem Verband beschaffen.
  • System nicht lufttüchtig: nicht mehr springen, keine Meldepflicht an Behörden.
  • Kombination der Baugruppen: immer Herstellerfreigabe, Kompatibilität durch Fallschirmtechniker.

Umrechnung, Höhensprung und besondere Situationen

Für die kg/lbs-Umrechnung gilt als Faustformel: lbs = kg x 2,21. Das ist wichtig für das Wingloading, also die Flächenbelastung des Schirms in Pfund pro Quadratfuß. Division durch 2,21 ergibt das Gegenteil, nämlich Pfund in Kilogramm.

Umstieg auf kleinere und schnellere Schirme: Ein lizenzierter Sprunganfänger, der auf einen kleineren Schirm wechselt, muss auf folgendes vorbereitet sein: unbekanntes Öffnungsverhalten, anderen Bremszeitpunkt beim Flare, hohe Dreh- und Landegeschwindigkeit und die Gefährdung anderer durch Fehleinschätzungen. Alle vier Risiken treffen zu.

Merke: Die Ausrüstung ist ein Gesamtsystem. Jedes Bauteil hängt mit dem nächsten zusammen. Regelmäßige Kontrolle, sorgfältige Dokumentation und das Einhalten der Befugnisregeln sind keine Bürokratie, sondern Lebensversicherung.

  • kg in lbs: kg x 2,21 (Faustformel für Wingloading).
  • Kleinere Schirme: anderes Öffnungsverhalten, Bremszeitpunkt, hohe Lande- und Drehgeschwindigkeit, Gefährdung anderer.

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