Meteorologie lernen: Fallschirmtheorie verständlich erklärt

Wetter ist beim Fallschirmspringen keine Nebensache, sondern eine echte Sicherheitsfrage. Wer springt, muss Wind lesen, Wolken einordnen und gefährliche Wetterlagen erkennen, bevor er im Flugzeug sitzt. Dieses Kapitel erklärt, wie die Atmosphäre funktioniert und was das konkret für deinen Sprung bedeutet.

Luftdruck und Luftdichte

Stell dir die Atmosphäre wie eine Wassersäule vor: Am Boden drückt die gesamte Luftsäule von oben auf dich. Je höher du steigst, desto weniger Luft liegt noch über dir und desto geringer wird der Druck. In ca. 5.500 m MSL hat der Luftdruck genau die Hälfte des Wertes auf Meeresniveau. Diese Zahl ist prüfungsrelevant.

Mit sinkendem Druck nimmt auch die Luftdichte ab. Für den Springer bedeutet das: Weniger Luftmoleküle bedeuten weniger Luftwiderstand. Auf hochgelegenen Sprungplätzen sinkt der Springer deshalb schneller als gewohnt. Dasselbe gilt an sehr heißen Tagen: Warme Luft dehnt sich aus, wird dünner und bietet weniger Widerstand. Merke: Höhe und Hitze erhöhen beide die Sinkgeschwindigkeit.

Was bleibt konstant? Der Sauerstoffanteil der Luft liegt immer bei 21 %, egal ob am Boden oder in 4.000 m Höhe. Was sich ändert, ist der Druck, nicht die Zusammensetzung. In der Höhe ist Sauerstoff nicht weniger vorhanden, er steht nur unter geringerem Druck.

Der Zusammenhang zwischen Temperatur, Dichte und Druck: Wenn die Temperatur fällt, zieht sich Luft zusammen, ihre Dichte nimmt zu, und damit steigt der Luftdruck. Steigt die Temperatur, dehnt sich die Luft aus, die Dichte sinkt, der Druck fällt. Luftdruck steigt also, wenn Temperatur fällt und Luftdichte zunimmt (beide Faktoren zusammen).

  • Luftdruck halbiert sich bei ca. 5.500 m MSL
  • Sauerstoffanteil konstant 21 % in jeder Höhe
  • Geringere Luftdichte (Höhe oder Hitze) erhöht die Sinkgeschwindigkeit
  • Luftdruck steigt, wenn Temperatur fällt und Dichte zunimmt

Standardatmosphäre und Höhenmesser

Höhenmesser messen nicht direkt die Höhe, sondern den Luftdruck und rechnen ihn in Höhe um. Dafür sind sie auf die Internationale Standardatmosphäre (ISA) geeicht: 15 °C am Boden, ca. 6,5 °C Abnahme pro 1.000 m Höhe. In der Realität weichen Temperatur und Druck fast immer von diesen Normwerten ab. Daher zeigt der Höhenmesser nie die exakte wahre Höhe über Grund.

Ein klassisches Prüfungsszenario: Der Höhenmesser an einem festen Ort zeigt heute 0 m an, einige Tage später zeigt er 150 m. Der Standort hat sich nicht verändert. Was ist passiert? Der Luftdruck ist gefallen. Ein niedrigerer Druck wird vom Gerät als größere Höhe interpretiert. Ist das ein Defekt? Nein, das ist normale Physik.

Fällt also der Luftdruck nach dem Einstellen des Höhenmessers, zeigt er zu viel Höhe an. Steigt der Druck, zeigt er zu wenig. 100 % Verlass auf den Höhenmesser gibt es nicht. Die Standardatmosphäre ist ein Berechnungsmodell, keine Realität.

  • Höhenmesser misst Luftdruck und rechnet ihn um (ISA)
  • ISA: 15 °C am Boden, ca. 6,5 °C Abnahme pro 1.000 m
  • Fällt Luftdruck: Höhenmesser zeigt zu viel Höhe an
  • Keine wahre Höhe, nur ISA-basierte Näherung

Wie Wind entsteht und wie er gemessen wird

Wind ist Luft, die von einem Ort zum anderen strömt. Die ursächliche Grundlage sind Druck- und Temperaturunterschiede: Warme Luft steigt auf und erzeugt ein Tief. Kühlere, schwerere Luft strömt nach und füllt das Vakuum. Je größer der Druckunterschied, desto stärker der Wind.

Auf der Wetterkarte zeigen Isobaren (Linien gleichen Luftdrucks) die Druckverhältnisse. Liegen sie eng zusammen, ist der Druckgradient groß und der Wind kräftig. Liegen sie weit auseinander, ist es ruhig. Dichte Isobaren auf der Fernsehwetterkarte bedeuten: frischer Wind, Aufpassen.

Windrichtung ist immer die Richtung, aus der der Wind kommt. Westwind bläst also von West nach Ost. Als Erinnerungshilfe: Schaust du am Abend zur Sonne (Blick nach Westen) und der Wind bläst dir ins Gesicht, kommt er aus West. Das nennt sich Westwind.

Windgeschwindigkeit wird in Metern pro Sekunde (m/s) oder Knoten (kt) angegeben. Faustformel: kt = m/s x 2. Das FAI-Regelwerk legt das absolute Maximum für lizenzierte Wettbewerbsspringer bei 11 m/s (ca. 22 kt) fest. Über diesem Wert ist das Springen verboten.

Wenn kein Windsack vorhanden ist, lässt sich die Bodenwindrichtung trotzdem ablesen: Fahnen, Wimpel, Baumwipfel oder Rauchfahnen zeigen zuverlässig an, woher der Wind kommt. Die Wolkenzugrichtung dagegen zeigt den Höhenwind, nicht den Bodenwind. Diese können erheblich voneinander abweichen.

Für die Sprungplanung musst du den Wind ablesen können: seine Richtung (woher er kommt) und seine Stärke. Mit dem Widget unten übst du beides: die Windrichtung am Kompass samt der Westwind-Merkhilfe und die Umrechnung m/s in Knoten, dazu das FAI-Maximum von 11 m/s (22 kt), ab dem das Springen verboten ist.

  • Wind entsteht ursächlich durch Druck- und Temperaturunterschiede
  • Dichte Isobaren: kräftiger Wind
  • Windrichtung: die Richtung, aus der der Wind kommt
  • Abends Sonne im Gesicht + Wind von vorn = Westwind
  • Faustformel: kt = m/s x 2
  • FAI-Maximum lizenzierte Springer: 11 m/s oder 22 kt
  • Ohne Windsack: Fahnen, Bäume oder Rauchfahnen ablesen (nicht Wolkenzug)

Höhenwind und Windscherung

Am Boden bremst die Erdoberfläche den Wind durch Reibung ab. Bäume, Gebäude, Hügel und der Boden selbst erzeugen Widerstand. Mit zunehmender Höhe entfällt diese Bremswirkung, der Wind nimmt zu und dreht nach rechts (durch die Corioliskraft auf der Nordhalbkugel). Als Faustregel: Aus 060°/10 kt am Boden werden in ca. 1.000 m etwa 090°/20 kt. In Öffnungshöhe ist also immer mit mehr Wind als am Boden zu rechnen.

Prüfungsfrage direkt beantwortet: Zeigt der Windmesser am Sprungplatz 8 m/s, muss man in Öffnungshöhe mit einer höheren Windgeschwindigkeit rechnen, da die Bodenreibungsbremsung dort entfällt.

Windscherung ist eine deutliche Änderung von Windrichtung oder Windgeschwindigkeit zwischen verschiedenen Höhenlagen. Das ist gefährlich: Fliegt der Schirm durch eine Scherungszone, bekommt er plötzlich Anströmung aus einer anderen Richtung. Die Folge kann Klappen, instabiles Flugverhalten oder eine abrupte Kursänderung sein. Wichtig: Windscherung ist nicht dasselbe wie eine Böe (die ist eine plötzliche Änderung am gleichen Ort).

  • Bodenreibung bremst Wind ab, in der Höhe entfällt der Bremseffekt
  • Wind in der Höhe: stärker und dreht nach rechts (Corioliskraft)
  • Beispiel: 060/10kt am Boden = ca. 090/20kt in 1.000 m
  • In Öffnungshöhe immer mehr Wind als am Boden einplanen
  • Windscherung: deutliche Richtungs- oder Stärkeänderung zwischen Höhenlagen, Klappgefahr

Lokale Windsysteme: Berg, Tal, Land und See

Neben dem großräumigen Höhenwind gibt es lokale Windsysteme, die thermisch angetrieben werden. Das Prinzip ist immer dasselbe: Luft fließt von der kälteren zur wärmeren Region.

Bergwind weht nachts: Die Luft kühlt sich an den Berghängen ab, wird schwerer und fließt talwärts. Talwind weht tagsüber: Die Sonne erwärmt die Hänge, Luft steigt auf, kühlere Luft strömt vom Tal bergan.

An Küsten gilt das gleiche Prinzip über größere Distanzen: Landwind weht nachts vom Land zum Meer, weil sich das Land schneller abkühlt als das Wasser. Seewind setzt tagsüber ab ca. 10 Uhr ein, weil sich das Land schneller erwärmt als das Wasser und die Luft über dem Land aufsteigt.

Die Eselsbrücke: Nacht-Winde (Berg und Land) fließen bergab bzw. zum Wasser. Tag-Winde (Tal und See) fließen bergan bzw. zum Land. Für den Springbetrieb relevant: An See- oder Talstandorten kann der Wind im Tagesverlauf erheblich drehen und zunehmen. Wer morgens auf Ruhe gesprungen ist, muss nachmittags die Windverhältnisse neu beurteilen.

  • Bergwind: nachts (Berg ins Tal)
  • Talwind: tagsüber (Tal bergan)
  • Landwind: nachts (Land zum Meer)
  • Seewind: tagsüber ab ca. 10:00 Uhr (Meer zum Land)
  • Nacht-Winde fließen bergab/zum Wasser, Tag-Winde bergan/zum Land

Thermik und vertikale Luftbewegungen

Thermik entsteht durch unterschiedliche Erwärmung der Erdoberfläche durch Sonneneinstrahlung. Dunkle, trockene Flächen wie Asphalt, Sand und Stein heizt die Sonne viel stärker auf als helles, feuchtes Gelände. Über den warmen Flächen steigt die erwärmte, leichtere Luft auf. Das ist der thermische Aufwind.

Für den Springer gilt: Über trockenen, dunklen Flächen (Asphalt, Sand, Stein) sind thermische Aufwinde zu erwarten, die den Gleitweg des Schirms verlängern. Über Seen, Flüssen und feuchten Wiesen gibt es thermische Abwinde, die den Gleitweg verkürzen. Das ist kein Komfortproblem, sondern verändert, wo du landest.

Löst sich eine Thermikblase vom Boden ab, siehst du das daran, dass Heu, Gras, Stroh oder Staub hochgewirbelt wird. Das ist kein harmloses Phänomen: Die ablösende Thermikblase reißt Material mit und erzeugt starke Wirbelbildung und Turbulenz in ihrer Umgebung. Nähert sich das einem Springer im Schirmfahrt-Bereich, kann das den Schirm zum Klappen bringen.

Sehr starke Aufwinde gibt es in Gewitterwolken (Cumulonimbus): mehr als 20 m/s nach oben. Ein Springer, der in einen Cb gezogen wird, kann sich nicht selbst befreien. Das ist kein theoretisches Risiko, sondern ein absolutes Tabu.

  • Thermische Aufwinde über Asphalt, Sand, trockenem Stein (verlängern Gleitweg)
  • Thermische Abwinde über Seen, Flüssen, feuchten Wiesen (verkürzen Gleitweg)
  • Thermikablösung: Heu/Stroh/Staub hochgewirbelt, Wirbelgefahr für Schirm
  • Cb-Aufwinde über 20 m/s, kein Entkommen ohne fremde Hilfe

Böen, Windhosen und mechanische Winde

Böen entstehen nicht zufällig: Thermik kombiniert mit hügeligem Gelände begünstigt böigen Wind. Stabile Schichtung und flaches Gelände dagegen führen zu gleichmäßigem Wind. Wer an einem heißen, unruhigen Tag über bewaldeten Hügeln landet, muss mit mehr Böen rechnen als über einer flachen Ebene.

Hindernisse wie Hügel, Gebäude oder Baumreihen lenken die Strömung um. Auf der Luvseite (Windseite) wird die Luft nach oben gedrückt: mechanischer Aufwind. Auf der Leeseite (Windschatten) gibt es mechanischen Abwind und starke Verwirbelungen. Details dazu im nächsten Abschnitt.

Vor einer Gewitterfront bildet sich oft eine Böenwalze: Herabstürzende Kaltluft aus der Gewitterwolke trifft am Boden auf, wird umgelenkt und breitet sich als schnelle Böenfront aus. Für den Springer bedeutet das: plötzliche starke Zunahme der Windgeschwindigkeit und abrupte Richtungsänderung. Das kann passieren, auch wenn das Gewitter noch weit entfernt wirkt.

An sehr heißen Tagen können Windhosen (Dust-Devils) entstehen: rotierende Thermikaufwinde, die sich vom Boden lösen. In niedrigen Höhen zwischen 0 und 300 m können sie den Schirm zum Kollabieren bringen. Erkennungszeichen: Heu, Stroh, Staub oder Sand wird in einer Säule hochgewirbelt.

  • Thermik und hügeliges Gelände: Böigkeit nimmt zu
  • Böenwalze vor Gewitter: plötzliche Windstärke- und Richtungsänderung
  • Windhose (Dust-Devil): Kollaps-Risiko zwischen 0 und 300 m, sehr heiße Tage

Landung bei Hindernissen: Luv und Lee

Luv ist die Seite, aus der der Wind kommt. Lee ist die Seite hinter dem Hindernis im Windschatten. Beide Seiten sind für Landungen problematisch, aber aus unterschiedlichen Gründen.

Im Luv eines Hindernisses (Hügel, Gebäude) staut sich die Luft und wird nach oben gedrückt. Dieser mechanische Aufwind kann den Springer beim Landeanflug über den geplanten Landepunkt hinaustragen. Du kommst länger in der Luft, sinkst langsamer, landest weiter als erwartet.

Im Lee eines Hindernisses herrschen Abwinde und Turbulenzen. Die Sinkgeschwindigkeit des Schirms erhöht sich spürbar. Das bedeutet eine härtere Landung als geplant, und der Schirm kann durch die Verwirbelung klappen. Besonders bei mäßigem bis frischem Wind ist das Lee-Szenario ernst zu nehmen.

Merke: Im Zweifel immer genug Abstand zu Hindernissen einplanen und bei Wind die Lage von Luv und Lee vor dem Sprung einschätzen.

  • Luv = Windseite, mechanischer Aufwind, Springer landet zu weit
  • Lee = Windschatten, mechanischer Abwind, Turbulenzen, härtere Landung
  • Mechanischer Aufwind im Luv: Springer wird über Zielpunkt hinausgetragen
  • Mechanischer Abwind im Lee: erhöhte Sinkgeschwindigkeit, Klappgefahr

Wolkenbildung und Wolkenstockwerke

Eine Wolke entsteht, wenn aufsteigende Luft abkühlt und den Taupunkt erreicht. Der überschüssige Wasserdampf kondensiert und wird sichtbar als Tropfen oder Eiskristalle. Klingt simpel, aber welche Wolke dabei entsteht, verrät viel über den Zustand der Atmosphäre.

Wolken werden in drei Stockwerke eingeteilt: das untere Stockwerk (bis ca. 2.000 m, z. B. Stratus, Stratocumulus, Nimbostratus, Cumulus, Cumulonimbus), das mittlere Stockwerk (ca. 2.000 bis 6.000 m, z. B. Altocumulus, Altostratus) und das obere Stockwerk (über 6.000 m, z. B. Cirrus, Cirrostratus, Cirrocumulus).

Für Fallschirmspringer sind das untere und mittlere Stockwerk die relevanten Bereiche, weil diese direkt die Sicht, den Sicherheitsabstand und die Sprungbedingungen beeinflussen. Das obere Stockwerk liegt meist weit über der normalen Sprunghöhe.

Schichtwolken (Stratus) zeigen eine stabile Atmosphäre ohne nennenswerte Konvektion: ruhig, keine starken Thermikaufwinde. Quellwolken (Cumulus) dagegen zeigen eine instabile Atmosphäre mit aktiver Thermik. Wer an einem Tag mit aufquellenden Cumuli springt, muss mit vertikalen Luftbewegungen rechnen.

  • Wolkenbildung: Luft steigt, kühlt ab, erreicht Taupunkt, Dampf kondensiert
  • 3 Stockwerke: unten (bis 2.000 m), mitte (bis 6.000 m), oben (über 6.000 m)
  • Für Springer relevant: unteres und mittleres Stockwerk
  • Stratus: stabile Atmosphäre, keine Thermik
  • Cumulus: instabile Atmosphäre, Thermik aktiv

Welche Wolke bringt welchen Niederschlag?

Nicht jede Wolke regnet gleich. Die Zuordnung von Wolkentyp zu Niederschlagsform ist eine klassische Prüfungsfrage.

Nimbostratus (Ns) bringt Dauerniederschlag: anhaltend, großflächig, gleichmäßig. Das ist der klassische Landregen. Für den Springbetrieb bedeutet Ns: es geht nichts. Cumulonimbus (Cb) bringt Schauer und Gewitter mit Hagel. Kurz, heftig, extrem gefährlich. In Cb können Aufwinde von mehr als 20 m/s herrschen, die sogar cm-große Hagelkörner in der Schwebe halten.

Ns und Cb sind die beiden Wolkengattungen, die ergiebigen, großtropfigen Niederschlag liefern und das Fallschirmspringen unmöglich machen. Das Paar muss man auswendig kennen.

Cirrus (Ci) besteht aus Eiskristallen im oberen Stockwerk und bringt keinen Niederschlag am Boden. Cumulus (Cu) kann bei starker Entwicklung gelegentlich kurze Schauer liefern, ist aber bei moderater Ausprägung noch kein Problem. Cirrus und Altocumulus (Ac) lassen Sprungbetrieb zu: keine gefährlichen Bodenwinde, keine ergiebigen Niederschläge, gute Sicht.

Merke für die Prüfung: Ns und Dauerniederschlag gehören zusammen. Cb und Schauer/Gewitter/Hagel gehören zusammen. Ci und kein Niederschlag. Cu und gelegentlicher Schauer.

  • Ns (Nimbostratus): Dauerniederschlag, Sprungbetrieb unmöglich
  • Cb (Cumulonimbus): Schauer, Gewitter, Hagel, Aufwinde über 20 m/s, absolutes Sprungverbot
  • Ns und Cb = die zwei Wolken mit ergiebigem Niederschlag, Sprungverbot
  • Ci (Cirrus): kein Niederschlag, Sprung erlaubt
  • Ac (Altocumulus): kein gefährlicher Niederschlag, Sprung erlaubt
  • Cu (Cumulus): gelegentlich Schauer, moderat noch kein Sprungverbot

Fronten, Gewitter und gefährliches Wetter

Eine Wetterfront ist die Grenzfläche zwischen zwei Luftmassen unterschiedlicher Temperatur und Feuchte. An Fronten ändert sich das Wetter oft schnell und drastisch: Temperatur, Windrichtung und Bewölkung können sich innerhalb weniger Minuten verändern.

Das wichtigste Warnsignal: Eine dunkle Wolke mit Regenstreifen (Fallstreifen) bis zum Boden nähert sich dem Gelände. Das bedeutet, dass die abgekühlte Kaltluft aus dem Niederschlag herabstürzt, am Boden umgelenkt wird und sich als Böenwalze ausbreitet. Am Sprungplatz ist in Kürze mit stark auffrischendem, böigem Wind zu rechnen. Sprungbetrieb sofort einstellen, ohne zu warten.

Gewitterwolken (Cb) sind absolut tabu. Aufwinde von mehr als 20 m/s, cm-große Hagelkörner, Blitzschlag, Böenwalzen und vollständige Desorientierung im Innern machen sie für den Springer zur Todesfalle. Wer in einen Cb gezogen wird, kommt ohne Fremdeinwirkung nicht mehr heraus.

Föhn ist ein trockener Fallwind auf der Leeseite eines Gebirges. Die Luft verliert auf der Luvseite (Stauseite) Feuchtigkeit durch Niederschlag und erwärmt sich beim Abstieg auf der Leeseite trockenadiabatisch. Das Ergebnis: geringe Bewölkung, ungewöhnlicher Temperaturanstieg, geringe Luftfeuchte, oft böige Winde. Föhn kann also bei blauem Himmel gefährlich böig sein.

Eigenverantwortung ist entscheidend: Als lizenzierter Springer musst du bei einer nahenden Schlechtwetterfront mit Gewittern auf eigene Entscheidung sofort mit dem Springen aufhören. Nicht warten, bis andere aufhören. Nicht warten, bis es regnet. Nicht warten, bis das Gewitter am Platzrand steht. Sofort, eigenständig, klar.

  • Dunkle Wolke mit Fallstreifen: sofort Sprungbetrieb einstellen
  • Böenwalze vor Gewitter: plötzliche Windstärke- und Richtungsänderung
  • Cb: Aufwinde über 20 m/s, Hagel, Blitz, absolutes Sprungverbot
  • Föhn: Leeseite, trocken, warm, geringe Bewölkung, böig
  • Eigenverantwortung: sofort selbst entscheiden, nicht auf andere warten

Kälte, Sicht und Eigenverantwortung

Als lizenzierter Fallschirmspringer trägst du die Eigenverantwortung für jeden Sprung. Die Sprungbetriebsleitung gibt Rahmenbedingungen vor, aber die endgültige Entscheidung liegt bei dir. Wetter, Wind und Wolken musst du selbst beurteilen können. Das ist Teil der Lizenzberechtigung.

Kälte ist in der Höhe ein unterschätztes Risiko. Laut Standardatmosphäre ist es in 4.000 m ca. 25 °C kälter als am Boden (6,5 °C je 1.000 m, also ca. 26 °C). Dazu kommt der Windchill-Faktor im Freifall: Im freien Fall können Geschwindigkeiten von 200 km/h und mehr auftreten, was die gefühlte Temperatur nochmals deutlich senkt. Der menschliche Körper verliert unter Kälteeinwirkung sehr schnell an Leistung.

Die konkreten Kältegefahren beim Springen: Das Visier kann beschlagen oder vereisen, die Finger verlieren ihr Gefühl (Feinmotorik leidet, Greifen für Handles wird schwerer), und ungeschützte Hautpartien riskieren Erfrierungen. Alle drei Gefahren können gleichzeitig auftreten.

Schlechte Sicht ist kein Komfortproblem. Im Freifall oder unter dem Schirm kann Orientierungsverlust bei mangelnder Sicht zur Katastrophe führen. Wer nicht klar sieht, wo der Boden ist und wohin er fliegt, verliert die Kontrolle über Zeitpunkt und Ort der Öffnung. Temperatur ist auch für die Schirmfahrt relevant: Visiervereisung und mangelnde Handlungsfähigkeit durch Kälte sind reale Risiken.

  • Eigenverantwortung: jeder Lizenzspringer entscheidet selbst
  • Ca. 25 °C kälter in 4.000 m als am Boden (Standardatmosphäre)
  • Windchill im Freifall reduziert Temperatur erheblich, Leistungsverlust
  • Kälte: Visier beschlägt/vereist, Erfrierungsgefahr, Feinmotorik leidet
  • Schlechte Sicht ist ein Sicherheitsrisiko, kein Komfortproblem

Nebel, Inversion und Wolkenauflösung

Wolken und Nebel sind im Grunde dasselbe: kondensierter Wasserdampf. Der Unterschied liegt nur in der Lage. Nebel ist eine Wolke am Boden. Beide entstehen, wenn Luft abkühlt und ihren Taupunkt erreicht.

Strahlungsnebel bildet sich nachts, wenn der Boden durch Ausstrahlung auskühlt und die Bodenluft unter den Taupunkt fällt. Advektionsnebel entsteht, wenn warme, feuchte Luft über eine kalte Oberfläche strömt und dabei abgekühlt wird.

Wie löst sich Nebel auf? Durch Erwärmung (Sonneneinstrahlung) und durch Luftbewegung (Wind), der die gesättigte Luftschicht abtransportiert. Beides muss zusammenwirken. Vorsicht: Strömt warme, feuchte Luft bei aufklarendem Himmel über eine kühle Fläche, kann sich Nebel sogar verstärken statt aufzulösen.

Inversion ist eine Wetterlage, bei der eine warme Luftschicht über einer kälteren liegt. Das ist ungewöhnlich, weil Luft normalerweise nach oben hin kälter wird. Eine Inversion stoppt die Konvektion und kann Nebel und Schadstoffe lange festhalten. Für Springer bedeutet das: Nebel löst sich langsamer auf als erhofft.

  • Nebel ist eine Wolke am Boden, gleicher Entstehungsprozess
  • Nebel löst sich durch Erwärmung und Luftbewegung (Wind) auf
  • Überströmung einer kühlen Fläche kann Nebel verstärken
  • Inversion: warme Luft über kalter, verhindert Auflösung

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