Freier Fall lernen: Fallschirmtheorie verständlich erklärt

Im freien Fall entscheiden Physik und Körperkontrolle alles. Wer die wirkenden Kräfte wirklich versteht, kann seinen Körper gezielt einsetzen, sicher fallen und andere Springer nicht gefährden. Dieser Abschnitt führt dich Schritt für Schritt durch alle Prüfungsthemen, von den Grundkräften über Haltungen und Zeitrechnung bis zu Sicherheitsregeln und Disziplinen.

Kräfte im freien Fall

Zwei Kräfte beherrschen den senkrechten Fall: die Schwerkraft zieht dich am Schwerpunkt nach unten zum Erdmittelpunkt, der Luftwiderstand (als Teil der gesamten Luftkraft) drückt an der präsentierten Körperfläche nach oben. Auftrieb und Widerstand zusammen ergeben die Luftkraft. Der Punkt, an dem die gesamte Luftkraft angreift, heißt Kraftangriffspunkt.

Der Schwerpunkt ist der Schnittpunkt aller drei Körperachsen, also der Massemittelpunkt deines Körpers. Wichtig: Die Luftkraft wirkt nicht am Schwerpunkt, sondern an der präsentierten Fläche, also der Fläche, die dem Luftstrom zugewandt ist.

Die Luftdichte beeinflusst den Widerstand direkt: Sinkt die Luftdichte, wird der Widerstand kleiner, und du fällst schneller. Deshalb gilt: In großer Höhe ist die Luft dünner, der Widerstand sinkt, die Fallgeschwindigkeit steigt. In Bodennähe ist die Luft dichter, der Widerstand ist größer.

Merke: Wenn die gesamte Luftkraft genauso groß ist wie die Gewichtskraft, endet die Beschleunigung. Ab diesem Moment fällst du mit gleichbleibender Geschwindigkeit: du hast die Endgeschwindigkeit erreicht. Nur wenn Luftkraft und Gewichtskraft gleich groß sind, tritt dieses Gleichgewicht ein.

  • Schwerkraft wirkt am Schwerpunkt (Schnittpunkt der 3 Körperachsen)
  • Luftkraft wirkt an der präsentierten Körperfläche
  • Kraftangriffspunkt: Angriffspunkt der gesamten Luftkraft
  • Geringere Luftdichte: kleinerer Widerstand, größere Fallgeschwindigkeit
  • Endgeschwindigkeit: wenn gesamte Luftkraft = Gewichtskraft

Stabilität und Gleichgewicht im Fall

Die Lage des Kraftangriffspunkts relativ zum Schwerpunkt entscheidet, ob eine Körperhaltung stabil, labil oder indifferent ist. Das ist der Kernmechanismus hinter jeder Freifallhaltung.

Liegt der Kraftangriffspunkt über dem Schwerpunkt: stabiles Gleichgewicht. Der Körper kehrt nach einer Auslenkung von selbst zurück, wie ein Stehaufmännchen. Boxposition und X-Lage funktionieren so.

Liegt der Kraftangriffspunkt unter dem Schwerpunkt: labiles Gleichgewicht. Jede kleine Auslenkung verstärkt sich weiter. Die Floaterlage ist das typische Beispiel. Liegt er auf gleicher Höhe: indifferentes Gleichgewicht, der Körper bleibt in jeder beliebigen Lage.

Alle drei Gleichgewichtszustände lassen sich kontrolliert nutzen. Labiles Gleichgewicht (Floaterlage) bedeutet nicht zwingend unkontrolliert. Ein Flugzustand gilt erst dann als instabil, wenn die Fluglage nicht mehr kontrolliert ist. Das ist unabhängig von der konkreten Haltung, auch ein Springer in Bauchlage kann instabil fallen, wenn er die Kontrolle verloren hat.

  • Kraftangriffspunkt über Schwerpunkt: stabil (Box, X-Lage)
  • Kraftangriffspunkt unter Schwerpunkt: labil (Floaterlage)
  • Kraftangriffspunkt auf gleicher Höhe wie Schwerpunkt: indifferent
  • Instabil: Fluglage nicht kontrolliert (unabhängig von der Haltung)
  • Alle drei Gleichgewichtszustände sind kontrolliert nutzbar

Körperformen und Luftwiderstand

Nicht jede Körperform bremst gleich. Den größten Widerstand bei gleich großer Stirnfläche erzeugt eine hohle Halbkugel, wenn die Hohlseite zur Anströmung zeigt. Der Luftstrom kann nicht entweichen und erzeugt maximalen Staudruck. Den geringsten Widerstand hat ein Stromlinienkörper (Tropfenform).

Im freien Fall bedeutet das konkret: Eine flache, ausgestreckte Körperhaltung (wie die Floaterlage) präsentiert dem Luftstrom eine große Fläche und bremst stark. Eine kompakte, pfeilartige Haltung (wie Headdown) reduziert die Fläche und ermöglicht hohe Geschwindigkeiten.

Der Widerstandsbeiwert hängt also von der Form und der Anströmrichtung ab. In der Prüfung kann nach der Form mit dem größten Widerstandsbeiwert gefragt werden: Das ist immer die hohle Halbkugel von vorne, nicht die Kugel, nicht die Kreisplatte.

  • Größter Widerstand bei gleicher Stirnfläche: hohle Halbkugel (Hohlseite zur Anströmung)
  • Kleinster Widerstand: Stromlinienkörper (Tropfenform)
  • Große Körperfläche = viel Bremswirkung = langsamerer Fall
  • Kleine Körperfläche = wenig Bremswirkung = schnellerer Fall

Körperliche Vorbereitung und Kontrolle

Den freien Fall zu kontrollieren ist eine körperliche Fähigkeit, keine reine Kopfsache. Du solltest körperlich gesund, fit und beweglich sein, die verlangten Körperhaltungen kennen und deinen Bewegungsapparat gezielt für die geplanten Aufgabenstellungen vorbereiten.

Nur wer seinen Körper kennt und beherrscht, kann im Freifall gezielt reagieren, Drehbewegungen stoppen und in die gewünschte Lage wechseln. Vor jedem Sprung gehört die körperliche Vorbereitung genauso dazu wie die Ausrüstungskontrolle.

  • Körperliche Gesundheit, Fitness und Beweglichkeit sind Voraussetzung
  • Kenntnis der Körperhaltungen und Vorbereitung des Bewegungsapparats
  • Freifall kontrollieren ist eine körperliche, keine rein mentale Fähigkeit

Fallgeschwindigkeiten: Was wie schnell fällt

Die Fallgeschwindigkeit hängt vom Verhältnis aus Gewicht und Widerstandsfläche ab. Ein schwerer und kleiner Körper fällt am schnellsten, ein leichter und großer Körper am langsamsten. Bekleidung und Bleiweste zählen zum wirksamen Gewicht.

Typische Richtwerte in erdnahen Luftschichten: Die Floaterlage ist die langsamste Bauchlage mit ca. 170 km/h. Die Boxposition liegt bei ca. 180 km/h. Im Track beträgt die vertikale Fallgeschwindigkeit ca. 150 km/h. Die Headdown-Position (Dive) erreicht ca. 250 km/h. Beim Freeflying, Freestyle und Sitfly liegt die Durchschnittsgeschwindigkeit bei ca. 70 m/s (rund 250 km/h).

In großer Höhe ist die Luft dünner, der Widerstand kleiner: Die Freifallgeschwindigkeit ist in größerer Höhe größer, die Luftdichte kleiner.

Die Geschwindigkeit, mit der du fällst, hängt direkt von Masse, Größe und Haltung ab, nicht von der Absetzgeschwindigkeit des Flugzeugs und nicht von der verpackten Fallschirmkappe. Einflussfaktoren sind: Gewicht und Körpergröße, Bekleidung und Bleiweste, Luftdichte sowie Freifallposition.

  • Floaterlage: ca. 170 km/h (labil, langsamste Bauchlage)
  • Boxposition: ca. 180 km/h (stabil)
  • Track: ca. 150 km/h vertikal
  • Headdown/Dive: ca. 250 km/h
  • Freeflying/Sitfly: ca. 70 m/s
  • Große Höhe: geringere Luftdichte, größere Fallgeschwindigkeit

Endgeschwindigkeit und die Fallkurve

Die Endgeschwindigkeit stellt sich in erdnahen Luftschichten nach ca. 10 Sekunden und ca. 300 m Fallstrecke ein. In dieser Beschleunigungsphase steigt die Geschwindigkeit von 0 auf ca. 180 km/h (ca. 50 m/s). Der Mittelwert liegt dabei bei ca. 90 km/h, was in 10 Sekunden eine Strecke von rund 250 bis 300 m ergibt.

Ab der Endgeschwindigkeit gilt die einfache Faustformel: 1 Sekunde je 50 m weiterer Fallstrecke. Die Endgeschwindigkeit in Boxposition beträgt ca. 50 m/s (180 km/h), also werden pro Sekunde 50 Meter zurückgelegt.

  • Endgeschwindigkeit nach ca. 10 s und ca. 300 m Fallstrecke
  • Endgeschwindigkeit Boxposition: ca. 50 m/s
  • Danach gilt: 1 s je 50 m weitere Fallstrecke
  • Floaterlage: Endgeschwindigkeit ca. 170 km/h
  • Headdown: ca. 250 km/h Endgeschwindigkeit

Zeitrechnung im Freifall

Für die Prüfung musst du die Freifallzeit für verschiedene Ausgangssituationen berechnen können. Die Formel: 10 Sekunden für die ersten 300 m, danach 1 Sekunde je 50 m.

Beispiel Sprung aus 2.000 m bis Öffnungshöhe 1.000 m in Boxposition: 1.000 m Fallstrecke. Erste 300 m: 10 s. Restliche 700 m geteilt durch 50 = 14 s. Gesamt: 24 Sekunden.

Beispiel Sprung aus 1.500 m mit 14 Sekunden Verzögerungszeit: Erste 10 s decken 300 m ab. 4 weitere Sekunden mal 50 m = 200 m. Gesamt 500 m. Öffnungshöhe: 1.500 m minus 500 m = ca. 1.000 m GND.

Beim Freeflying gilt eine höhere Endgeschwindigkeit: ca. 70 m/s. Von 4.000 m bis 1.000 m sind 3.000 m zu fallen. Erste 300 m: 10 s. Restliche 2.700 m geteilt durch 70 m/s = ca. 38,5 s. Gesamt: ca. 45 bis 50 Sekunden.

  • Faustformel: 10 s für erste 300 m, danach 1 s je 50 m (Boxposition)
  • 2.000 m bis 1.000 m Öffnungshöhe in Box: 24 Sekunden
  • 1.500 m, 14 s Verzögerungszeit: Öffnungshöhe ca. 1.000 m GND
  • Freeflying 4.000 m bis 1.000 m: ca. 45 bis 50 s

Körperachsen und Drehungen

Der Körper hat drei Achsen: die Längsachse (von Kopf bis Fuß), die Querachse (von Schulter zu Schulter, links nach rechts) und die Hochachse (von Bauch nach Rücken). Alle drei schneiden sich im Schwerpunkt.

Die Achse bestimmt die Art der Drehung: Drehung um die Längsachse ist eine Rolle, wie ein Baumstamm, der sich dreht. Drehung um die Querachse ist ein Salto, vorwärts oder rückwärts wie beim Turnen. Drehung um die Hochachse heißt schlicht Drehung, wie ein Kreisel, der sich auf der Stelle um die senkrechte Achse dreht.

Nicht verwechseln: Die Hochachse geht von vorne nach hinten durch den Körper (Bauch zu Rücken), nicht von Kopf bis Fuß. Das ist die Längsachse.

  • Längsachse (Kopf-Fuß): Rolle
  • Querachse (links-rechts): Salto
  • Hochachse (Bauch-Rücken): Drehung

Relativer Wind: Wie die Anströmung wechselt

Direkt beim Absprung aus einem horizontal fliegenden Flugzeug bringst du noch die Eigengeschwindigkeit des Flugzeugs mit. Deshalb kommt der Fahrtwind in diesem Moment von vorne. Sobald die Fallbeschleunigung überwiegt und du deine Endgeschwindigkeit erreicht hast, kommst du nur noch senkrecht nach unten. Die Anströmung kommt dann von unten.

Dieser fließende Wechsel ist der relative Wind: Aus Sicht des Springers dreht sich die gefühlte Windrichtung von vorne nach unten, je nachdem, wie groß die horizontale und die vertikale Geschwindigkeitskomponente sind.

Beim Ballonsprung gibt es keinen Fahrtwind von vorne, weil der Ballon keine horizontale Eigengeschwindigkeit hat. Der relative Wind entsteht dort von Beginn an nur durch die senkrechte Fallbewegung von unten. Alle vier Aspekte des relativen Windes sind korrekt: der subjektive Windwechsel für den Springer, der physikalische Übergang von horizontaler zu vertikaler Anströmung, die Wirkung auf den Körper, und die Besonderheit beim Ballonsprung.

  • Absprung aus Flugzeug: Fahrtwind zuerst von vorne
  • Auf Endgeschwindigkeit: Anströmung von unten
  • Ballonsprung: relativer Wind nur von unten (kein Fahrtwind vorher)

Körperhaltungen: Die wichtigsten auf einen Blick

Die verschiedenen Körperhaltungen im Freifall unterscheiden sich in Stabilität, Geschwindigkeit und Zweck. Die wichtigsten im Überblick:

Floaterlage: Körper flach wie ein Brett, Arme und Beine weit ausgestreckt. Langsamste Bauchlage (ca. 170 km/h), labil, weil der Kraftangriffspunkt unter dem Schwerpunkt liegt.

Boxposition: Arme und Beine angewinkelt, stabile Bauch-Luft-Lage, ca. 180 km/h. Kraftangriffspunkt über dem Schwerpunkt, also stabil. Der Ausgangspunkt für die meisten Manöver.

X-Lage: Arme und Beine weit ausgestreckt, ausgeprägteres Hohlkreuz. Ebenfalls stabil, weil das Hohlkreuz den Kraftangriffspunkt nach oben verlagert.

Tracking: Beine gestreckt, Arme zurückgenommen, Körper schräg angestellt. Maximale horizontale Vorwärtsbewegung bei ca. 150 km/h Vertikalgeschwindigkeit.

Dive (Headdown): Kopf unten, pfeilartige Haltung, minimale Stirnfläche. Maximale Vertikalgeschwindigkeit (ca. 250 km/h), kaum Horizontalflug.

Stilposition: Kopf oben, Beine gestreckt nach unten, Hohlkreuz. Wird beim Stil-Fallschirmspringen eingesetzt.

  • Floaterlage: flach, labil, ca. 170 km/h
  • Boxposition: angewinkelt, stabil, ca. 180 km/h
  • X-Lage: ausgestreckt, Hohlkreuz, stabil
  • Tracking: Beine gestreckt, viel Horizontal, ca. 150 km/h vertikal
  • Dive/Headdown: Kopf unten, ca. 250 km/h, kaum Horizontal
  • Stilposition: Kopf oben, Beine gestreckt nach unten

Manöver im Freifall

Im Freifall kannst du deinen Körper in nahezu jede Lage bringen. Schräg angestellte Körperflächen lenken den Luftstrom um und erzeugen Bewegungen in alle Richtungen. Fehlende Körperkontrolle kann zu extremen Trudelbewegungen führen, die gefährlich sind.

Eine Horizontalbewegung nach vorne erzeugst du durch Strecken der Beine und Zurücknehmen der Arme. Dadurch verringert sich die Stirnfläche nach vorne, der schräg angestellte Körper lenkt Luftkraft in horizontale Vorwärtsbewegung um.

Einen Salto rückwärts leitest du aus der Boxposition ein, indem du die Arme breit nach vorne streckst und die Knie anziehst. Das verlagert die Luftkraft nach vorne oben, was die Beine hochhebt und die Rückwärtsdrehung einleitet.

In die Rückenlage wechselst du durch eine halbe Rolle, also eine 180-Grad-Drehung um die Längsachse. Das ist die kontrollierte und sicherste Methode.

Eine ungewollte Drehbewegung stoppst du, indem du stabile Symmetrie herstellst: Körpertrimmung über Hüfte, Schulter und Beine anpassen, dann ggf. eine Gegendrehung einleiten. Eine Trackhaltung ist dafür nicht geeignet, sie ist für horizontale Bewegung gedacht.

  • Vorwärts: Beine strecken, Arme zurücknehmen
  • Salto rückwärts: Arme weit nach vorne + Knie anziehen
  • Rückenlage: halbe Rolle (180 Grad um die Längsachse)
  • Drehung stoppen: stabile Symmetrie durch Körpertrimmung, dann Gegendrehung

Öffnungslage und sicheres Öffnen

Die Bauchlage ist bei angemessener Fallgeschwindigkeit die sicherste Öffnungslage. Sie minimiert das Risiko von Öffnungsstörungen und Materialversagen. Vor dem Ziehen des Schirms immer erst stabile Bauchlage herstellen.

Die 5-Sekunden-Regel (Schirm innerhalb von 5 Sekunden öffnen, egal in welcher Lage) ist eine Notmaßnahme für besondere Situationen und bleibt immer übergeordnet. Im Regelfall aber gilt: erst stabile Bauchlage, dann ziehen.

Beim Griff zum manuellen Öffnungssystem ist die Ausgleichshand nach vorne entscheidend. Vergisst du sie, kippt der Körper seitlich ab, weil das Gewicht des Arms das Gleichgewicht stört. Arme weit nach vorne zu halten ist das Gegenteil des Problems.

  • Bauchlage: sicherste Öffnungslage (weniger Materialversagen, weniger Verletzungsrisiko)
  • 5-Sekunden-Regel: Notmaßnahme, übergeordnet
  • Manuell öffnen: Ausgleichshand nach vorne, sonst seitliches Abkippen

Tracking, Diving und Separation

Tracking ist die Technik für maximale Horizontalbewegung mit möglichst wenig Höhenverlust. Du nimmst die Arme zurück, streckst die Beine und stellst den Körper schräg an. Die vertikale Fallgeschwindigkeit sinkt dabei auf ca. 150 km/h, während du dich gleichzeitig horizontal schnell fortbewegst.

Diving ist das Gegenteil: schnelle vertikale Bewegung in pfeilartiger Kopflage (Headdown-Variante) mit möglichst kleiner Stirnfläche. Dabei entsteht kaum horizontale Versetzung.

Tracking hat im Sprungablauf eine wichtige Sicherheitsfunktion: Es sorgt vor der Schirmöffnung dafür, dass Springer sich weit genug voneinander entfernen. Kappenkollisionen nach der Öffnung werden so verhindert. Schlechtes Tracking ist einer der häufigsten Gründe für gefährliche Annäherungen.

Der Exitabstand zwischen den Gruppen hängt von drei Faktoren ab: der Fluggeschwindigkeit des Luftfahrzeugs über Grund, der Anzahl der Springer der vorherigen Gruppe und den geplanten Sprungvorhaben. Eine pauschale Sekundenregel gibt es nicht.

  • Tracking: Beine strecken, Arme zurück, max. Horizontal, ca. 150 km/h vertikal
  • Diving: Kopf unten, max. Vertikal, kaum Horizontal
  • Tracking vor Öffnung: Separation herstellen, Kappenkollision verhindern
  • Exitabstand: LFZ-Geschwindigkeit über Grund, Springeranzahl Vorgruppe, Sprungvorhaben

Höhenwind, Abdrift und Absetzpunkt

Der natürliche Höhenwind versetzt den fallenden Springer über Grund: Abdrift. Diese Abdrift muss beim Ermitteln des Absetzpunkts berücksichtigt werden. Den Absetzpunkt findest du so: Freifallabdrift und Schirmabdrift addieren, das ergibt die Gesamtabdrift. Diesen Betrag musst du vom Landepunkt aus in Windrichtung zurückrechnen.

Für Sprünge mit wenig Freifall kann ein Winddrifter genutzt werden, um die Abdrift abzuschätzen. Wichtig: Abdrift darf niemals ignoriert werden, auch nicht mit einem Flächenschirm, der vorwärtsfliegt. Die eigene Vorwärtsfahrt kompensiert nicht automatisch die Windversetzung.

Bei Absetzung mit dem Wind verlängert sich die Absetzstrecke über Grund. Deshalb: Exits möglichst früh auf der Windachse setzen, der Zeitabstand zwischen den Exits kann verkürzt werden.

Faktoren für Beginn und Ende des Absetzvorgangs: Absetzhöhe, Anzahl der Exits, Windstärke und -richtung, Fluggeschwindigkeit des Luftfahrzeugs über Grund und die Absetzfreigabe. Die Exitorder ist die logische Abfolge aller Absprünge unter Berücksichtigung aller dieser Einflüsse, einschließlich der Beladungsreihenfolge beim Einsteigen.

  • Abdrift: Höhenwind versetzt den Springer über Grund
  • Absetzpunkt: Gesamtabdrift (FF + Schirm) vom Landepunkt in Windrichtung zurückrechnen
  • Abdrift niemals ignorieren, auch nicht mit Flächenschirm
  • Absetzung mit Wind: frühes Absetzen auf Windachse, kürzerer Exitabstand möglich
  • Exitorder: Reihenfolge unter Berücksichtigung von Absetzhöhe, Exits, Wind, LFZ-Speed, Freigabe

Höhenmessung im Freifall

Im Freifall bestimmst du deine Höhe über Grund mit dem Höhenmesser (Altimeter). Er funktioniert als Aneroid-Barometer, das auf Luftdruckveränderungen reagiert und daraus die Höhe berechnet. Ein akustischer Höhenmesser ist eine Ergänzung, ersetzt aber nicht das aktive Ablesen.

Der Fallschirmhöhenmesser hat einige Besonderheiten: Er basiert auf dem Vergleich von Luftdruckwerten. In Lee- oder Luvbereichen am Körper kann es zu abweichenden Anzeigen kommen. Alle drei Aussagen über den Höhenmesser sind korrekt: Luftdruckvergleich als Basis, Reaktion auf Luftdruckveränderungen und mögliche Anzeigefehler je nach Position am Körper.

Zeitmessung allein reicht nicht zur Höhenbestimmung, weil die Fallgeschwindigkeit variiert. Dreieckspeilung ist eine Navigationsmethode am Boden.

  • Höhenmesser: Aneroid-Barometer, reagiert auf Luftdruckveränderungen
  • Akustischer Höhenmesser: Ergänzung, kein Ersatz fürs Ablesen
  • Mögliche Ablesefehler in Lee- oder Luvbereichen

Einheiten umrechnen: Faustformeln für die Prüfung

Im Sprungbetrieb arbeiten wir mit Metern, Fuß und Knoten. Drei einfache Faustformeln reichen für alle Prüfungsaufgaben:

Fuß in Meter: m = ft geteilt durch 3, dann 10 % abziehen. Beispiel: 5.000 ft geteilt durch 3 ergibt 1.667, minus 10 % ergibt ca. 1.500 m.

Meter in Fuß: ft = m mal 3, dann 10 % addieren. Beispiel: 2.500 m mal 3 ergibt 7.500, plus 10 % ergibt 8.250 ft.

Knoten in m/s: m/s = kt geteilt durch 2. Beispiel: 6 kt geteilt durch 2 ergibt 3 m/s.

Für exakte Umrechnungen gibt es Präzisionswerte: 5 m/s sind exakt 9,7 kt (nicht 10 kt). 1.300 m sind exakt 4.265 ft (1 m = 3,281 ft). Diese exakten Werte werden in Prüfungsfragen von den Faustformeln unterschieden.

  • ft in m: m = ft : 3 - 10% (5.000 ft = ca. 1.500 m)
  • m in ft: ft = m x 3 + 10% (2.500 m = 8.250 ft)
  • kt in m/s: m/s = kt : 2 (6 kt = 3 m/s)
  • 5 m/s (exakt): 9,7 kt
  • 1.300 m (exakt): 4.265 ft

Sicherheit: Planung und Selbsteinschätzung

Die größte Gefahr im freien Fall ist die Freifallkollision: Zwei Springer können mit hoher Relativgeschwindigkeit aufeinandertreffen. Nach der Schirmöffnung ist die Kappenkollision die häufigste Ursache schwerer Unfälle. Beide Gefährdungen entstehen durch mangelnde Separation und unzureichende Planung.

Der wichtigste Beitrag zur Sicherheit: Plane den Sprung und springe den Plan. Eigene Fähigkeiten realistisch einschätzen, nur tun, was du wirklich beherrschst. Selbstüberschätzung kostet Leben.

Was ist beim Springen mit anderen besonders zu beachten? Eine gute Separation aller Springer vor dem Ziehen muss gewährleistet sein. Kein anderer Faktor (Springerkombinationen, Exitkommandos, Bodenübungen) ersetzt die Separation.

Beim ersten Sprung auf einem neuen Sprungplatz mit neuer Ausrüstung: Erst einen Solosprung machen, um sich zu orientieren, bevor du dich in eine Gruppe einreihst. Zu viele Neuanforderungen gleichzeitig erhöhen das Risiko deutlich.

  • Größte Gefahr im Freifall: Freifallkollision
  • Größte Gefahr nach Öffnung: Kappenkollision
  • Separation vor dem Ziehen: wichtigste Sicherheitsmaßnahme beim Gruppensprint
  • Neuer Platz, neue Ausrüstung: erst Solosprung
  • Plan den Sprung, springe den Plan

Zusammenspringen: Anflug und Einweisung

Die ersten Sprünge mit anderen Springern sollten erst nach erhaltener RW- oder FF-Einweisung erfolgen. Beim ersten Anflug auf andere Springer verschätzt man sich häufig hinsichtlich Geschwindigkeit und Abstand. Das führt zu Verletzungsgefahr durch Zusammenstoß.

Befähigung im Sinne des DFV bedeutet: Vertrautheit mit einer Disziplin, fachspezifisches Können und die Fähigkeit, weder sich noch andere zu gefährden. Jede Disziplin hat spezifische Erfordernisse. Als Anfänger kann man disziplinspezifische Fertigkeiten nur unter Anleitung erlernen, die Erfahrung anderer zu missachten ist riskant.

Kappenrelativspringen erfordert einen erfahrenen Kappenrelativspringer als Partner, eine gründliche Einweisung vorher und geeignete Ausrüstung. Der Kappentypus oder Federhilfsschirme sind technische Empfehlungen, aber die Hauptvoraussetzung ist die Einweisung mit einem erfahrenen Partner.

  • RW- oder FF-Einweisung vor dem ersten Gruppensprint
  • Anflug auf andere: Entfernungs- und Geschwindigkeitsschätzung oft falsch
  • Befähigung: Können + keine Gefährdung anderer
  • Kappenrelativspringen: erfahrener Partner + Einweisung + geeignete Ausrüstung

Freestyle, Freeflying, Wingsuit und Helmkamera

Neue Disziplinen oder Manöver nur nach fachkundiger Einweisung ausprobieren. Jede Disziplin hat spezifische Risiken, die ohne Vorkenntnisse nicht einzuschätzen sind. Einfach ausprobieren und rechtzeitig ziehen reicht nicht.

Bei ersten Freestyle-Versuchen ist zu beachten: Schnelle Rotationen können zu Bewusstseinsstörungen führen (G-Kraft auf das Gehirn). Das ist die zentrale Gefahr, nicht fehlende Kamerabegleitung oder Stilfehler.

Headdown und Sitfly ohne Coaching sind besonders gefährlich, weil fehlende Kontrolle zu großer horizontaler Versetzung führt. Springer können dadurch bei der Öffnung in die unmittelbare Nähe anderer geraten: Kollisionsgefahr.

Ausrüstungsregeln für Freestyle, Skysurfen und Freeflying: BOC-System oder Pull-Out, Öffnungsautomat und akustischer Höhenmesser sind Pflicht. Das Surfboard beim Skysurfen braucht zusätzlich ein Abtrennsystem.

Wingsuit: erst nach mindestens 200 Sprüngen und Einweisung durch einen anerkannten Wingsuit-Instruktor. Selbsteinschätzung allein reicht nicht, die 200-Sprünge-Grenze ist bindend.

Helmkamera: mindestens 100 Sprünge Erfahrung, Einweisung durch eine sachkundige Person, Helm muss fest sitzen und abwerfbar sein. Vor dem ersten Sprung mit Kamera: die Kamerakombi ohne Kamera ausprobieren. Eine Kamera-Kombi mit Flügeln soll zuerst ohne Kamera geflogen werden. PAL-System ist keine Pflichtvorschrift. Beim Start und der Landung des Absetzflugzeugs muss der Helm als Kopfschutz getragen werden.

  • Freestyle-Gefahr: schnelle Rotationen können Bewusstseinsstörungen auslösen
  • Headdown/Sitfly ohne Coaching: große horizontale Versetzung, Kollisionsgefahr
  • Freestyle/Skysurfen/Freeflying: BOC oder Pull-Out + Öffnungsautomat + akustischer Höhenmesser
  • Skysurfen: Surfboard mit Abtrennsystem
  • Wingsuit: ab 200 Sprüngen + Einweisung durch Wingsuit-Instruktor
  • Helmkamera: ab 100 Sprüngen + Einweisung + Helm abwerfbar
  • Kamerahelm beim Start/Landung: als Kopfschutz tragen

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