Aerodynamik lernen – Fallschirm-Theorie verständlich erklärt

Aerodynamik beschreibt, wie Luft und Körper zusammenwirken. Für den Fallschirmspringer ist das keine Theorie um der Theorie willen: Wer versteht, warum sein Schirm fliegt, stallt und auf Steuereingaben reagiert, fliegt sicherer und präziser. Dieser Abschnitt legt die Grundlagen, die du für die Prüfung und für den Alltag in der Luft brauchst.

Was ist Aerodynamik? Luftkräfte verstehen

Das Wort Aerodynamik setzt sich aus dem Griechischen zusammen: Luft und Bewegung. Sobald sich ein Körper durch die Luft bewegt, entsteht eine Wechselwirkung. Die Luft verhält sich nicht wie leerer Raum, sondern wie ein Medium mit Masse und Trägheit. Das Ergebnis sind Kräfte, die auf den Körper wirken.

Je nach Form des Körpers fallen diese Kräfte sehr unterschiedlich aus. Ein Tropfenkörper schneidet die Luft fast mühelos, der Widerstand ist gering. Eine nach vorne offene Halbkugel, wie eine Rundkappenreserve, bremst extrem stark. Ein Tragflächenprofil dagegen wandelt die Luftströmung in Auftrieb um: Es erzeugt Sog auf der Oberseite und Druck auf der Unterseite.

Merke: Größere Geschwindigkeit bedeutet größere Luftkraft. Ein Flächenfallschirm braucht Fahrt, um seinen Auftrieb aufrechtzuerhalten. Fällt die Geschwindigkeit zu weit ab, verliert er die Strömung am Profil und damit seinen Auftrieb.

Der Antrieb des Flächenfallschirms ist die Schwerkraft, die auf die Masse von Springer und Ausrüstung wirkt. Diese Kraft zieht nach unten und erzeugt so die Vorwärtsbewegung, aus der wiederum Auftrieb entsteht.

  • Aerodynamik bedeutet: Wechselwirkung zwischen Luft und bewegtem Körper.
  • Luftwiderstand entsteht durch Reibung (Oberflächenreibung) und Formwiderstand.
  • Tropfenkörper: geringer Widerstand. Rundkappe: hoher Widerstand. Tragflächenprofil: Auftrieb.
  • Antrieb des Schirms: Schwerkraft auf Springer und Ausrüstung.

Auftrieb: Sog und Druck am Profil

Der Auftrieb am Flächenfallschirm entsteht aus zwei Anteilen: Etwa zwei Drittel kommen durch Sogwirkung auf der Oberseite des Profils, etwa ein Drittel durch Druckwirkung auf der Unterseite. Die größte Sogwirkung liegt auf der Oberseite im vorderen Drittel der Fläche, wo die Strömung am stärksten beschleunigt wird.

Stell dir vor, wie die Luft über die gewölbte Oberseite strömt: Sie muss einen längeren Weg zurücklegen als die Luft unter dem flachen Untersegel und beschleunigt dabei. Schnellere Luft bedeutet geringeren Druck, das ist das Prinzip nach Bernoulli. Dieser Unterdruck oben und der Überdruck unten erzeugen gemeinsam die Auftriebskraft.

Am Obersegel liegt direkt an der Gewebeoberfläche eine sehr dünne Grenzschicht, in der die Luftteilchen nahezu stillstehen. Darüber beschleunigt die Strömung. Diese Grenzschicht ist entscheidend: Wenn sie sich ablöst, bricht der Auftrieb zusammen. Genau das ist ein Stall.

Merke: Auftrieb beim Fallschirm bedeutet Tragfähigkeit, also die Kraft, die Schirm und Springer in der Luft hält. Es ist keine Kraft, die nach oben in den Himmel zieht, sondern eine Kraft senkrecht zur Anströmrichtung, die das Sinken verlangsamt.

  • Auftrieb: ca. 2/3 durch Sog (Oberseite) und ca. 1/3 durch Druck (Unterseite).
  • Stärkste Sogwirkung: Oberseite des Profils, vorderes Drittel.
  • Grenzschicht: direkt am Gewebe, Strömung nahezu null, daher empfindlich gegen Ablösung.
  • Auftrieb bedeutet Tragfähigkeit, nicht Steigen in der Thermik.

Anstellwinkel und Einstellwinkel

Zwei Begriffe, die oft verwechselt werden, aber klar zu unterscheiden sind: Der Einstellwinkel ist der vom Hersteller durch die Leinentrimmung fest vorgegebene Winkel zwischen Profilsehne und Anströmrichtung. Er ist durch die Geometrie der Leinen bestimmt und kann vom Springer nicht einfach verändert werden.

Der Anstellwinkel ist der tatsächliche Winkel des Profils zur ankommenden Luftströmung. Er ändert sich, wenn du die Steuerleinen ziehst: Die Hinterkante der Kappe biegt sich nach unten, die Profilsehne dreht sich stärker in die Anströmung, der Anstellwinkel wächst. Das erzeugt mehr Auftrieb, aber auch mehr Widerstand.

Ziehst du die Steuerleinen weiter durch, nimmt der Anstellwinkel immer mehr zu. Bis zu einem bestimmten Grenzwert steigt der Auftrieb. Wird der Anstellwinkel zu groß, schafft es die Strömung nicht mehr, der Wölbung der Oberseite zu folgen. Sie löst sich ab. Das ist der Stall.

Merke: Einstellwinkel ist vorgegeben, Anstellwinkel ist steuerbar. Zu viel Anstellwinkel führt zum Strömungsabriss.

  • Einstellwinkel: vom Hersteller durch Leinentrimmung vorgegeben, fest.
  • Anstellwinkel: aktiv durch Steuerleinen veränderbar.
  • Mehr Anstellwinkel: mehr Auftrieb und mehr Widerstand, bis zum Grenzwert.
  • Zu großer Anstellwinkel: Strömung löst sich ab, Stall.

Strömungsabriss (Stall): Was passiert und warum

Ein Stall tritt auf, wenn die Luftströmung der Profilwölbung auf der Oberseite nicht mehr folgen kann. Die Ablösung beginnt an der Hinterkante und breitet sich nach vorne aus. Ist die Strömung vollständig von der Oberseite abgelöst, hat der Schirm keinen Auftrieb mehr. Den Punkt, an dem diese vollständige Ablösung eintritt, nennt man Ablösepunkt.

Was passiert in diesem Moment? Der Schirm verliert seine Tragfähigkeit, fällt zunächst durch, pendelt nach vorne und öffnet sich wieder, sobald der Anstellwinkel durch das Vorschwingen des Springerkörpers auf einen normalen Wert zurückgeht. In manchen Fällen kann der Schirm kurzzeitig rückwärts fliegen.

Der Stallpunkt ist kein fixer Grenzwert, der immer bei derselben Bremsenstellung auftritt. Er hängt von zwei wesentlichen Faktoren ab: der Flächenbelastung (Gewicht geteilt durch Schirmfläche) und der aktuellen Bremsenstellung. Ein schwer beladener Schirm stallt tendenziell früher als ein leicht beladener.

In Bodennähe ist ein Stall besonders gefährlich. Wenn der Schirm rückwärts fällt oder einklappt, bleibt keine Zeit für eine Erholung. Ein abruptes Durchbremsen knapp über dem Boden kann einen dynamischen Stall auslösen: Das Vorwärtspendeln des Körpers erhöht den Anstellwinkel zusätzlich, genau dann, wenn man dicht am Boden ist.

  • Stall: Strömung löst sich von Profiloberseite ab, beginnend an der Hinterkante.
  • Ablösepunkt: Stelle, an der die Luft vollständig von der Oberseite abweicht.
  • Stallpunkt hängt ab von: Flächenbelastung und Bremsenstellung.
  • Stall in Bodennähe: Gefahr des Rückwärtssturzes, keine Zeit zur Erholung.
  • Abruptes Durchbremsen: dynamischer Stall durch Pendeln des Körpers.

Gleitzahl und Gleitwinkel

Der Gleitwinkel ist der Winkel zwischen der Flugbahn des Schirms und der Horizontlinie. Je flacher dieser Winkel, desto weiter kommt der Schirm pro Meter Höhenverlust. Dieser Winkel ergibt sich direkt aus dem Verhältnis von Vorwärtsgeschwindigkeit zu Sinkgeschwindigkeit.

Die Gleitzahl ist die rechnerische Darstellung desselben Sachverhalts: zurückgelegte Strecke geteilt durch verlorene Höhe, gemessen ohne Windeinfluss. Eine Gleitzahl von 3:1 bedeutet, dass der Schirm pro Meter Sinkflug drei Meter nach vorne fliegt. Je größer die Gleitzahl, desto besser die Flugleistung.

Ein leicht angebremster Schirm kann im Bereich des optimalen Anstellwinkels eine minimal bessere Gleitzahl erreichen. Mit dem Ziehen der vorderen Tragegurte erhöhst du zwar die Vorwärtsgeschwindigkeit etwas, aber das Sinken nimmt ebenfalls zu. Im Gegenwind kann das trotzdem die Gesamtstrecke über Grund verbessern.

Merke: Gleitzahl bezieht sich immer auf die Bewegung durch die Luft, nicht auf die Bewegung über Grund. Wind kann die Bodenstrecke stark verändern, ohne die Gleitzahl des Schirms selbst zu ändern.

  • Gleitwinkel: Winkel zwischen Flugbahn und Horizont.
  • Gleitzahl: Strecke dividiert durch Sinkhöhe, ohne Windeinfluss.
  • Gleitzahl bezieht sich auf die Bewegung durch die Luft, nicht über Grund.

Windeinfluss auf Flugbahn und Bodenstrecke

Wind verändert die Geschwindigkeit über Grund, aber nicht die Eigengeschwindigkeit des Schirms durch die Luft. Ein Schirm mit einer Eigengeschwindigkeit von 40 km/h fliegt mit 10 km/h Rückenwind 50 km/h über Grund, aber die Aerodynamik am Profil bleibt identisch. Dreht man von Gegenwind auf Rückenwind, ändert sich deshalb die Eigengeschwindigkeit nicht.

Mit Rückenwind gleitet der Schirm über Grund weiter, die Bodenbahn wird flacher. Mit Gegenwind wird die Bodenbahn steiler. Quer zum Wind bleibt der aerodynamische Gleitwinkel (relativ zur Luft) unverändert, aber die Bahn über Grund verläuft schräg zum Kurs durch die Luft. Ist der Gegenwind stark genug, kann der Schirm in voller Fahrt rückwärts über Grund fliegen.

Merke: Eigengeschwindigkeit ist immer konstant, unabhängig vom Wind. Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit und Richtung über Grund.

  • Eigengeschwindigkeit des Schirms: unabhängig vom Wind, immer konstant.
  • Mit Rückenwind: Bodenstrecke größer, Flugbahn über Grund flacher.
  • Gegen Wind: Bodenstrecke kleiner, Flugbahn über Grund steiler.
  • Gegenwind stark genug: Schirm fliegt in voller Fahrt rückwärts über Grund.
  • Quer zum Wind: Gleitwinkel zur Luft unverändert.

Profile: Streckung, Schnell- und Langsamflug

Das Verhältnis von Spannweite (Breite) zu Profiltiefe (Länge in Flugrichtung) heißt Streckung. Eine hohe Streckung verbessert die aerodynamische Effizienz, weil der induzierte Widerstand sinkt. Moderne Hochleistungsschirme haben daher eine deutlich höhere Streckung als ältere oder einfachere Muster.

Schnellflugprofile kennzeichnen sich durch: große Streckung, geringe Profildicke und steile Leinentrimmung. Sie erzeugen hohe Fluggeschwindigkeit und gute Gleitzahl, reagieren aber empfindlich auf Fehler. Sie werden hauptsächlich bei Hauptschirmen eingesetzt.

Langsamflugprofile haben: große Profildicke, geringe Streckung und flache Leinentrimmung. Sie sind gutmütig, vergebend und langsam. Typische Einsatzbereiche sind Reserveschirme, Zielsprungschirme und Schirme für Kappenformationsflug (CRW).

Ein dickes Profil hat bei gleicher Geschwindigkeit sowohl mehr Widerstand als auch mehr Auftrieb als ein dünnes. Das klingt paradox, ist aber physikalisch erklärbar: Die stärkere Wölbung erzeugt mehr Sog, aber auch mehr Form- und Reibungswiderstand.

  • Streckung: Spannweite geteilt durch Profiltiefe.
  • Schnellflugprofil: große Streckung, geringe Dicke, steile Trimmung (Hauptschirme).
  • Langsamflugprofil: große Dicke, geringe Streckung, flache Trimmung (Reserve, Ziel, CRW).
  • Dickes Profil: mehr Widerstand und mehr Auftrieb als dünnes Profil bei gleicher Geschwindigkeit.

Profileinsatz, Gewebe und Flächenbelastung

Das Gewebe spielt eine wichtige Rolle für die Flugleistung: Nullgewebe (luftundurchlässiges Nylongewebe) erzeugt eine glattere Oberfläche als F-111-Gewebe, das leicht luftdurchlässig ist. Glattere Oberfläche bedeutet weniger Störung der laminaren Grenzschicht und damit bessere Flugleistung.

Die Flächenbelastung (Gesamtabsprunggewicht geteilt durch Schirmfläche in Quadratfuß) bestimmt, wie aggressiv ein Schirm fliegt. Zu hohe Flächenbelastung bedeutet: schnelleres Sinken, empfindlicheres Steuerverhalten, kleinere Fehlertoleranz und höheres Unfallrisiko beim Landen.

Verschiedene Konstruktionsmerkmale, wie große Streckung, elliptische Form, Nullgewebe und Schnellflugprofil, tragen gemeinsam dazu bei, dass ein Schirm bei gleicher Größe mehr Flugleistung und Auftriebseffizienz erzeugt.

  • Nullgewebe besser als F-111: glattere Oberfläche, weniger Strömungsstörung.
  • Flächenbelastung: Gesamtgewicht geteilt durch Schirmfläche.
  • Schnellflugprofil: Hauptschirme. Langsamflugprofil: Reserve, Zielsprung, CRW.

Stabilisatoren und Vorteile des Flächenschirms

An den Seiten des Flächenfallschirms befinden sich Stabilisatoren. Sie dienen dazu, die Schirme seitlich zu stabilisieren und ein Einknicken oder unkontrolliertes Wegdrehen der Kappenseiten zu verhindern. Sie verbessern das Geradeausflugverhalten und das Einflugverhalten in Kurven.

Flächenfallschirme haben gegenüber Rundkappen erhebliche Vorteile: Sie erzeugen Auftrieb und können dadurch Strecke zurücklegen. Sie sind steuerbar, erzeugen deutlich weniger Öffnungsschlag (durch die progressive Befüllung) und sind in der Lage, kontrolliert mit einem zielgenauen Auftouchpunkt zu landen.

Die Flugleistung, also die Fähigkeit, Strecke zu machen und präzise zu steuern, ergibt sich aus der Kombination von Profil, Streckung, Leinentrimmung und Flächenbelastung.

  • Stabilisatoren: verhindern seitliches Einknicken, verbessern Geradeausflug.
  • Vorteile Flächenschirm: Auftrieb, Steuerbarkeit, geringer Öffnungsschlag, präzise Landung.

Steuermethoden und Kurventechnik

Der Flächenfallschirm kann auf vier Wegen gesteuert werden: über die Steuerleinen (Bremsen), über die hinteren Tragegurte, über die vorderen Tragegurte und durch Gewichtsverlagerung. Jede Methode hat andere Eigenschaften und Einsatzbereiche.

Steuerleinen sind das Standardmittel: Durch Ziehen einer Seite wird die Hinterkante abgesenkt, der Schirm dreht in diese Richtung. Bei den hinteren Tragegurten ist die Zugstrecke kurz, das Verhalten abrupt. Bei den vorderen Tragegurten erhöht sich die Fluggeschwindigkeit leicht, das Sinken nimmt zu. Merke: Steuern mit den Tragegurten verändert den Einstellwinkel der Kappe, nicht nur die Hinterkante.

In einer Kurve neigt sich der Schirm zur Innenseite. Durch die Fliehkraft entsteht eine scheinbare Gewichtszunahme des Springers, die sogenannte Kurvengewichtskraft. Dadurch steigen Fluggeschwindigkeit und Sinkrate. Schnelle, enge Drehungen führen zu erheblichem Höhenverlust.

Eine kontrollierte Kurve fliegt man so: In Drehrichtung schauen, den Oberkörper in die Kurve lehnen und die entsprechende Steuerleine fließend, nicht ruckartig, ziehen. Immer auf Höhe und Luftraum achten.

  • Steuermöglichkeiten: Steuerleinen, hintere Tragegurte, vordere Tragegurte, Gewichtsverlagerung.
  • Kurvengewichtskraft: Fliehkraft in der Kurve erhöht scheinbares Gewicht, Sinkrate steigt.
  • Schnelle Drehungen: große Höhenverluste.
  • Kontrollierte Kurve: in Richtung schauen, lehnen, fließend ziehen.
  • Hintere Tragegurte: kurze Zugstrecke, abruptes Ansprechen.

Indirektes Steuern und Achterschläge

Für flache Drehungen mit wenig Höhenverlust nutzt man indirektes Steuern: Zuerst den Schirm auf ca. 50 bis 75 Prozent anbremsen, dann durch gefühlvolles Hochlassen der gegenüberliegenden Steuerleine in die gewünschte Richtung drehen. So bleibt die Sinkrate kontrollierbar.

Achterschläge beschreiben eine 8-förmige Flugbahn, bei der der Springer an dieselbe Stelle über Grund zurückkehrt. Sie werden genutzt, um Höhe abzubauen wenn der Endanflug zu hoch angesetzt wurde, und sollen kontrolliert und sicher geflogen werden.

Abrupte oder wechselseitige Steuerbewegungen bringen den Schirm in Pendelbewegungen. Der Schirm schwingt vor und zurück, und in schlimmen Fällen kann der Springer unter dem Schirm pendeln und die Kontrolle verlieren. Das ist besonders in Bodennähe gefährlich.

  • Flache Kurve (indirektes Steuern): erst 50-75% anbremsen, dann gegenüberliegende Seite hochlassen.
  • Achterschläge: wechselseitige Steuerbewegungen für kontrollierten Höhenabbau.
  • Abrupte Steuerbewegungen: Pendeln, Kontrollverlust möglich.

Hook-Turns und Sicherheit beim Kurvenflug

Hook-Turns sind Niederhöhendrehungen, die kurz vor der Landung aus geringer Höhe geflogen werden, um hohe Endanfluggeschwindigkeit zu erzielen. In der Drehung verliert der Schirm erheblich an Höhe, während Flug- und Sinkgeschwindigkeit stark ansteigen.

Diese Technik ist extrem fehlerintolerant. Liegt der Einleitungspunkt zu tief, zu hoch, oder wird falsch ausgeleitet, kann der Springer mit hoher Geschwindigkeit in den Boden einschlagen. Hook-Turns haben eine erschreckende Unfallstatistik und sollten nur von sehr erfahrenen Springern unter kontrollierten Bedingungen mit geeignetem Schirm ausgeführt werden.

Generell gilt: Kurven in Bodennähe kosten Höhe, die man nicht mehr hat. Je aggressiver die Drehung, desto mehr. Defensives, vorausschauendes Fliegen ist immer die sicherste Wahl.

Im Landegebiet herrscht häufig dichter Verkehr. Viele Springer sind gleichzeitig unterwegs. Deshalb muss der Luftraum ständig beobachtet werden und Ausweichmanöver sollten so geplant werden, dass sie keine gefährliche Situation für andere erzeugen.

  • Hook-Turn: Niedrigehendrehung vor der Landung, extrem hohes Unfallrisiko.
  • Höhenverlust in schnellen Drehungen: enorm, wird oft unterschätzt.
  • Hook-Turns: nur sehr erfahrene Springer, geeigneter Schirm, kontrollierte Bedingungen.
  • Dichter Luftverkehr im Landegebiet: Luftraum immer beobachten.

Landeanflug und Flare-Technik

Kurz vor dem Boden verändert sich der Wind durch zusätzliche Bodenturbulenz und den sogenannten Windgradienten: Bodennähe hat oft weniger und richtungsänderungsanfälligeren Wind als in höheren Lagen. Das kann den Anflug überraschend beeinflussen.

Beim Flaren zur Landung werden beide Steuerleinen kontrolliert und progressiv nach unten gezogen. Wichtig ist der Blickwinkel: ca. im 45-Grad-Winkel nach vorne unten schauen, um Höhe und Timing realistisch einzuschätzen. Zu frühes Flaren führt zu einem Schwebezustand mit anschließendem Höhenverlust. Zu spätes Flaren führt zu hoher Aufprallgeschwindigkeit.

Schnellflugprofile (typisch für moderne Hauptschirme) fangen beim Flairen in eine horizontale Bahn ab und schweben parallel zum Boden aus. Langsamflugprofile (Reserve, Ziel) bleiben auf ihrem Gleitwinkel und werden durch den Flare hauptsächlich in der Geschwindigkeit abgebremst, ohne auszuschweben.

Ein leicht angebremster Schirm gleitet im Endanflug mit minimal besserer Gleitzahl. Mit den vorderen Tragegurten lässt sich noch etwas mehr Vortrieb herausholen, allerdings nimmt das Sinken dabei zu.

  • Flare: progressiv, kontrolliert, 45-Grad-Blick nach vorne unten.
  • Schnellflugprofil beim Flairen: horizontales Ausschweben.
  • Langsamflugprofil beim Flairen: Geschwindigkeitsabbremsung, kein Ausschweben.
  • Windgradient: weniger Wind in Bodennähe als in der Höhe.

Gefahren: Überbremsen, Abwind und Tragegurtsteuerung

Abruptes Durchbremsen knapp über dem Boden ist gefährlich: Das Vorwärtspendeln des Körpers erhöht den Anstellwinkel zusätzlich, der Schirm kann einen dynamischen Stall eingehen und rückwärts fallen. Überbremsen in Bodennähe endet häufig mit einem Rückwärtssturz und ernsthaften Verletzungen.

Bei gerissenen Steuerleinen kann mit den hinteren Tragegurten gesteuert werden. Das Verhalten ist sehr direkt und abrupt, die Zugstrecke kurz. Die Kappe kann schnell überstallen. Ein Landefall ist zur Sicherheit sinnvoll.

Beim Einflug in eine sinkende Luftmasse (Abwind) wird der Schirm zusätzlich nach unten transportiert. Die Sinkgeschwindigkeit erhöht sich und die Bodenbahn verschlechtert sich unerwartet.

  • Abruptes Durchbremsen: Stallgefahr, dynamischer Stall durch Körperpendeln.
  • Überbremsen in Bodennähe: Rückwärtssturz, erhebliche Verletzungsgefahr.
  • Gerissene Steuerleinen: Steuerung mit hinteren Tragegurten, Landefall empfohlen.
  • Abwind: erhöhte Sinkrate, verschlechterte Bodenbahn.

Seitenwind, Wirbelschleppe und Endanflug

Seitenwind lässt den Schirm seitlich abdriften. Im Endanflug muss aktiv gegengesteuert werden, da der Schirm nicht automatisch auf Kurs bleibt. Starker Seitenwind kann das Landegebiet unerreichbar machen, erfordert ständige Korrektur und erzeugt eine ungewohnte, unsymmetrische Steuerleinenstellung.

Im Hinterflug (Kielwasser) eines anderen Schirms gerät man in dessen Turbulenzen, die durch die Wirbelschleppe entstehen. Das kann zu Klappern führen. Geringer Abstand hinter einem anderen Springer ist deshalb besonders vor der Landung gefährlich.

Die größte Reichweite über Grund und beste Flexibilität erreicht man, indem man sich so positioniert, dass Rücken- oder Querwind genutzt werden kann und der Endanflug gegen den Wind in erreichbarer Entfernung angesetzt wird.

  • Seitenwind: Endanflug aktiv gegenhalten, kein automatischer Kurserhalt.
  • Starker Seitenwind: Landegebiet möglicherweise unerreichbar.
  • Im Kielwasser eines anderen Schirms: Turbulenz, Klapperrisiko.
  • Positionierung gegen den Wind für maximale Reichweite und Flexibilität.

Kräfte am Profil: Auftrieb, Widerstand und Gewicht

Die Luftkraft am Profil wirkt senkrecht zur Anströmrichtung (das ist der Auftrieb) und parallel zur Anströmrichtung (das ist der Widerstand). In aerodynamischen Diagrammen stehen die Pfeile für diese Kräfte: Auftrieb nach oben senkrecht zur Anströmung, Widerstand entgegen der Flugrichtung, Schwerkraft senkrecht nach unten, und die Pfeile der Anströmrichtung zeigen, wie die Luft relativ zum Profil einströmt.

Das Profil erzeugt nicht nur Auftrieb und Widerstand, sondern auch eine nach vorne zeigende Triebkraftkomponente (Vortrieb) und eine nach unten ziehende Komponente (Sinken). Das Verhältnis dieser Kräfte bestimmt die Gleitzahl. Im ungebremsten Geradeausflug ist das Auftrieb-Widerstand-Verhältnis am günstigsten.

  • Auftrieb: senkrecht zur Anströmrichtung.
  • Widerstand: parallel zur Anströmrichtung, entgegen der Flugbewegung.
  • Geradeausflug ungebremst: optimales Auftrieb-Widerstand-Verhältnis.

Grenzschicht, Staudruck und Gewebeeinfluss

Am Obersegel des Flächenfallschirms passiert die entscheidende Aerodynamik: Die Luftströmung muss der gewölbten Oberfläche folgen. Gelingt das, entsteht laminare Strömung, die Grenzschicht bleibt stabil, und der Auftrieb ist optimal. Stört sich die laminare Strömung, entsteht Turbulenz in der Grenzschicht und der Auftrieb sinkt.

Da die Strömungsgeschwindigkeit in der Mittelzelle am höchsten ist, ist dort auch der Staudruck am größten. An den Außenzellen nimmt beides ab, da dort mehr Druckausgleich stattfindet.

F-111-Gewebe ist leicht luftdurchlässig: Die Luft diffundiert durch das Obersegel und stört die laminare Strömung auf der Oberseite. Das mindert die Auftriebsleistung. Nullgewebe mit seiner glatteren, luftundurchlässigen Oberfläche ist daher im Vergleich aerodynamisch überlegen.

  • Laminare Strömung am Obersegel: stabile Grenzschicht, optimaler Auftrieb.
  • Mittelzelle: höchste Strömungsgeschwindigkeit, größter Staudruck.
  • F-111-Gewebe luftdurchlässig: stört Grenzschicht, mindert Auftrieb.
  • Nullgewebe: glattere Oberfläche, bessere Flugleistung als F-111.

Wichtige Gesamtzusammenhänge und Prüfungsfragen

Einige Zusammenhänge tauchen in Prüfungsfragen regelmäßig auf und sind deshalb besonders wichtig. Zunächst zur Eigengeschwindigkeit: Sie bleibt durch Wind unverändert. Was sich ändert, ist die Geschwindigkeit und Richtung über Grund. Der Wind überlagert sich vektoriell mit der Eigengeschwindigkeit.

Beim Öffnungsverhalten unterscheiden sich Flächenfallschirme von Rundkappen: Die progressive Befüllung von vorne nach hinten reduziert den Öffnungsschlag erheblich. Die Öffnungscharakteristik hängt stark von Packmethode, Schirmtyp, Springergewicht und Fallgeschwindigkeit ab.

In Prüfungsfragen wird oft nach der richtigen Aussage in Kombination mehrerer Fakten gefragt. Die richtige Antwort ist diejenige, die alle genannten Fakten korrekt kombiniert und keine falsche Behauptung enthält. Wenn du unsicher bist, eliminiere zunächst offensichtlich falsche Aussagen.

Merke: Der geöffnete, flugfähige Schirm hat immer eine Vorwärtskomponente. Er kann auf Windstille oder Gegenwind sogar über Grund stillstehen oder rückwärts wandern, aber durch die Luft fliegt er immer nach vorne.

  • Eigengeschwindigkeit: konstant, unabhängig vom Wind.
  • Öffnung: progressive Befüllung, deutlich geringerer Öffnungsschlag als Rundkappe.
  • Der Schirm fliegt durch die Luft immer nach vorne, über Grund kann er je nach Wind stehen oder rückwärts wandern.

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